Todeszone Garten
von Redaktion LTschV-BW

Moderne Garten- und Landschaftspflege - für zahlreiche Igel lebensgefährlich

Hilfreiche Gartengeräte, wie Freischneider und Tellersense oder auch Mähroboter können für Igel und andere Tiere zur tödlichen Gefahr werden. Sterile Gärten und kurzgetrimmte Rasenflächen bieten keinerlei Lebensraum mehr für Kleinlebewesen und Insekten.
Der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes, Stefan Hitzler appelliert an Hobbygärtner und Landschaftspfleger bei der Grünflächenpflege Rücksicht auf die dort lebende Tierwelt zu nehmen.

Eigentlich wären unsere Parks und Gärten ein idealer Lebensraum für Insekten und kleinere Wildtiere, wie Igel, Eichhörnchen und Singvögel. Doch die moderne Gartengestaltung wird immer tierfeindlicher. Arbeitsintensive Grünflächen werden zunehmend „versiegelt“ und lebendiges Grün durch Betonsteine, Fliesen, Kies und buntes Glas ersetzt. Solche pflegeleichten „Schottergärten“ sind sprichwörtlich tot - hier lebt so gut wie nichts mehr.
Wo es aber keine Insekten, Würmer und Käfer mehr gibt, können auch Igel und viele Singvogelarten nicht mehr überleben.
Und selbst auf den noch begrünten Flächen lauern Gefahren. Vor allem die beliebten Motorsensen verletzen und töten immer öfter einheimische Igel. Da Igel bei Gefahr i.R. nicht flüchten, sondern sich nur einrollen und auf den Schutz ihrer Stacheln verlassen, kommt es regelmäßig zu schwerwiegenden Schnittverletzungen. Seitlich aufgeschlitzte Igel, regelrecht skalpierte Igel, fehlende Schnauzen und auch abgesenste Pfötchen sind keine Seltenheit. Sind diese Schnittwunden nicht sofort tödlich, sterben die Igel langsam und qualvoll, weil sich die betroffenen Stellen entzünden und Fliegenmaden einnisten. Selbst wenn die verletzten Tiere vorher aufgefunden und zu einem Tierarzt gebracht werden, kommt für viele die Hilfe zu spät.

Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbands bittet deshalb eindringlich alle begeisterten Nutzer motorisierter Gartengeräte, diese Maschinen vorsichtig und vorausschauend zu nutzen:
„Igel sind eigentlich dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie meist und halten sich bevorzugt im schützenden Gebüsch und unter Sträuchern auf oder verstecken sich im hohen Gras. Deshalb sollte man sich vergewissern, dass kein Tier versehentlich unter die Tellersense oder den Fadenschneider kommt, bevor man loslegt.“ Hitzler richtet seinen Appell dabei nicht nur an Hobbygärtner, sondern auch an die Mitarbeiter vom städtischen Gartenbauamt oder der Forstverwaltung, die die gefährlichen Motorsensen routinemäßig einsetzen.
Besondere Sorgen machen dem Tierfreund die demnächst zu erwartenden Jungigel. Anfang August kommen die noch blinden Igelbabys in der Regel zur Welt. Im Alter von 3-4 Wochen verlassen sie zum ersten Mal das Nest und fangen an, selbst nach Nahrung zu suchen. „Lassen Sie ihren Mähroboter deswegen bitte niemals unbeaufsichtigt über Nacht laufen. Die unerfahrenen kleinen Jungigel geraten sonst schnell unters Messer.“ warnt Hitzler.

Hintergrund

Igel sind in vielfacher Weise in Gefahr. Vor allem dem Autoverkehr fallen alljährliche hunderttausende zum Opfer. In den letzten Jahren häufen sich leider auch immer mehr die durch Gartengeräte schwer verletzten Stacheltiere. Vor allem die inzwischen sehr beliebten und oft nur nachts laufenden Mähroboter fordern einen hohen Blutzoll unter den Tieren.
Grundsätzlich bieten sterile aufgeräumte Gärten für einheimische Tiere, Artenvielfalt und Natur keinerlei Lebensraum mehr. Nicht ohne Grund hat das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg u.a. zu einer Änderung des Landesnaturschutzgesetzes geführt. Demnach müssen u.a. Gartenanlagen zukünftig insektenfreundlich gestaltet und Gartenflächen vorwiegend begrünt werden. Reine „Schottergärten“ sind also künftig verboten.

 

Wichtige Tipps, zur Gestaltung eines igelfreundlichen Gartens:

  • Igel brauchen Nahrung, bevorzugt Laufkäfer, andere Insekten - wie Ohrenzwicker, Regenwürmer oder gelegentlich auch Schnecken. Eine flache Schale Wasser als Tränke hilft vielen tierischen Gartenbewohnern gerade jetzt im Sommer über die heißen Tage.
  • Mut zu ein bisschen Wildnis: ein lebendiger Garten darf nicht zu ordentlich sein, denn Tiere benötigen neben Nahrungsquellen auch geschützte Ruhezonen und ungestörte Versteckmöglichkeiten.
  • Gartenabfall, Laubhaufen oder Baum- und Strauchschnittreste nach längerer Lagerung nicht einfach abbrennen, auch hier nisten sich gerne Tiere ein oder überwintern dort. Vor allem Tiere im Winterschlaf oder Winterruhe können nicht noch schnell vor dem Feuer fliehen und würden lebendig verbrennen.
  • Notwendige Gartenarbeiten vorsichtig und bedacht durchführen. Vor Beginn der Arbeiten sicherstellen, dass keine Tiere verletzt werden können. Eine langzinkige Mistgabel ist beim Kompostumschichten für dort schlafende Igel ebenso lebensgefährlich, wie rücksichtlos geführte Motorsensen oder Freischneider. Mähroboter nicht "unbeaufsichtigt" über Nacht aktivieren.
  • Bitte keine Biozide einsetzen. Insekten- und Unkrautvernichter oder Schneckenkorn vergiften die Lebensgrundlage der Igel und vieler anderer Tiere (Eidechsen, insektenfressende Singvögel usw.).
  • Ausweglose Situationen verhindern: Schwimmbäder, Teiche oder auch Kellerschächte bitte entweder abdecken oder mit Ausstiegsmöglichkeiten (Steine oder Bretter) versehen, so dass eventuell hineingefallene Tiere sich retten können. Am Boden aufliegende Vogelschutznetze können ebenfalls lebensgefährlich für Igel werden, wenn sie sich darin mit ihren Stacheln verfangen.

Pro Igel e.V. Viele weitere interessante Informationen rund um Igel: Pro Igel e.V.

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