GRÜNE BW
Auszüge aus dem Parteiprogramm der
GRÜNEN Baden-Württemberg:
1.3. Innovation aus Tradition: wettbewerbsfähig im Wandel...
Innovation, die unser Land voranbringt – aus Ideen wird Wirklichkeit... Tierversuche wollen wir verringern und – wo immer möglich – durch innovative, tierfreie Methoden ersetzen, die wir umfassend fördern und deren strukturelle Hürden wir abbauen wollen. Daher setzen wir weiter auf den Ausbau der 3RZentren und eine Erhöhung der Landesförderung, um gemeinsam mit Wissenschaft und Forschung perspektivisch das Ziel eines Ausstiegs aus Tierversuchen zu erreichen.
3.5. Zukunft sichern: Landwirtschaft und Ernährung stärken, Wald und Tiere schützen
Unsere Landwirtschaft prägt einzigartige Kulturlandschaften vom Bodensee bis zum Odenwald. Eine bäuerliche und handwerklich geprägte Kultur ist allgegenwärtig. Landwirtschaft ist die Grundlage unserer Ernährung, ein prägendes Element unserer Landschaften und Teil unserer kulturellen Identität. In Zeiten steigender Kosten, wachsender Unsicherheiten und internationaler Krisen braucht es eine Landwirtschaftspolitik, die regional verwurzelt, fair und zukunftssicher ist – für gesunde Lebensmittel und starke Höfe im ganzen Land. Mit der Kantinenrichtlinie haben wir es bereits geschafft, dass in Landeskantinen verbindlich regional-ökologisches Essen angeboten wird. Wir wollen das pflanzliche Angebot weiter ausbauen und dadurch eine gesunde, klimafreundliche und tierwohlgerechte Ernährung fördern. Um die Themen nachhaltiges Lebensmittelangebot und Ernährungsbildung auch vor Ort besser zu verankern, fördern wir weiterhin Ernährungsräte. Sie informieren beispielsweise Bürger*innen bei Veranstaltungen und Schulungen vor Ort über gesunde und nachhaltige Ernährung aus regionaler Erzeugung. Wir unterstützen weiterhin das Landesprojekt Lernort Bauernhof und die Einrichtung von Schulbauernhöfen. Zudem unterstützen wir vielfältige Maßnahmen und Aktionen zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung, unter anderem zeigt sich dabei eine messbare Verringerung in Modellkantinen.
… Das ist Baden- Württemberg. Robotik einsetzen, um Bodenbrüter wie die Feldlerche zu schützen und Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel zu sparen: Das ist ebenfalls Baden-Württemberg. Hightech und Tradition, bestes Essen und wunderschöne Landschaften – das macht unser Bundesland aus. Wir haben in Baden-Württemberg den Ökolandbau seit 2011 verdoppelt und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kontinuierlich verringert. Insbesondere im Weinbau sind wir durch die Förderung von Pheromon-Verfahren einen großen Schritt weitergekommen.
Ein Teil der landwirtschaftlichen Betriebe in Landesbesitz sowie ein Teil der verpachteten Landesflächen wurden inzwischen auf Ökolandbau umgestellt. Wir wollen die Umstellung auf Ökolandbau in landeseigenen Betrieben und auf landeseigenen Flächen weiter vorantreiben und sorgen für hohe Tierschutzstandards. ...
Den Tierschutz stärken
Tierschutz ist Staatsziel und unser besonderes Anliegen. Wir wollen unsere überlasteten Tierheime und Tierschutzorganisationen stärken, auch finanziell – beispielsweise bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen, laufenden Sach-, Futter- und Energiekosten sowie tiermedizinischer Versorgung. Wir wollen Tierhaltung so gestalten, dass Tiere als empfindsame Lebewesen mit ihren Bedürfnissen respektiert werden. Dafür müssen Tiere besser geschützt werden. Wir wollen die von uns initiierte Tierschutzstrategie konsequent umsetzen und damit den Tierschutz im Land dauerhaft stärken. Zudem wollen wir die Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von Freigängerkatzen in Verantwortung der Kommunen. Diese wollen wir bei der flächendeckenden Umsetzung unterstützen. Wir bekämpfen entschieden den illegalen Welpen- und Exotenhandel. Tiere müssen besser geschützt, geltendes Tierschutzrecht muss wirksam durchgesetzt und die rechtliche Vertretung von Tieren gestärkt werden. Dazu gehört eine personelle Stärkung in den Veterinärämtern. Zudem liegt uns die Unterstützung der Tierheime am Herzen. Tierschutzbildung soll auch Bestandteil schulischer und außerschulischer Lernangebote werden. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche für einen respektvollen Umgang mit Tieren zu sensibilisieren. ...
Landwirtschaft, die trägt – heute und morgen
… Aber auch Natur-, Klima- und Tierschutz müssen sich für unsere Landwirt*innen stärker lohnen. Wertschöpfung aus unseren landwirtschaftlich genutzten, naturschutzfachlich wertvollen Flächen wollen wir unterstützen. Betriebe, die hohe Tierschutzstandards einhalten, wollen wir stärker fördern. Wir setzen uns deshalb für eine einkommenswirksame Komponente bei den Agrarumweltmaßnahmen ein. Wir wollen dort ein Probejahr einführen, in dem geförderte landwirtschaftliche Unternehmen die Maßnahmen ohne mehrjährige Verpflichtung umsetzen und anschließend bewerten können. Mit der Förderung von Grünland und Weidewirtschaft leisten wir auch einen Beitrag zum Erhalt unserer wertvollen Kulturlandschaften. …
... Die Fischerei kann einen Beitrag zum Schutz der Gewässer und ihrer Uferbereiche leisten, wenn sie ökologisch und tierschutzgerecht erfolgt. Wir unterstützen entsprechende Maßnahmen, die dazu dienen, Fische und Gewässer vor den Auswirkungen der Klimakrise zu schützen und die Artenvielfalt zu stärken. Dazu gehören beispielsweise die naturnahe Gestaltung der Ufersäume, die Renaturierung sowie die Beschattung von Gewässern.
Die Schäferei und die Ziegenhaltung leisten durch die naturnahe und überwiegend extensive Wirtschaftsweise einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Erhaltung des Grünlands und besonders wertvoller Kulturlandschaften. Wir wollen sie im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen und der Tierprämien weiter finanziell unterstützen. Gemeinsam mit den Verbänden erarbeiten wir Ideen, wie wir die Nachwuchsgewinnung und -sicherung in Schäferei und Ziegenhaltung voranbringen können. Auch der Pferdesport und die Pferdehaltung müssen tiergerecht gestaltet sein. …
Tiere konsequent schützen – in der Landwirtschaft und zu Hause
Unsere Landwirtschaft trägt Verantwortung – nicht nur für unsere Lebensmittel, sondern auch für Tiere und Umwelt. Wir wollen sie dabei unterstützen, die Haltungsbedingungen für landwirtschaftlich genutzte Tiere weiter zu verbessern. Das bedeutet auch, bei der Züchtung stärker auf Tiergesundheit und Zweinutzungsrassen zu setzen, die nicht einseitig auf ein Leistungsmerkmal ausgerichtet sind. Wir werden das unabhängige Amt der Landesbeauftragten für Tierschutz stärken und absichern. Wenn Tiere transportiert werden, muss dies tierschutz- und rechtskonform geschehen. Um lange Transportwege zu vermeiden und das Tierwohl zu sichern, fördern wir die regionale Kälberaufzucht und Vermarktung. Damit stärken wir nachhaltige, lokale Strukturen in der Landwirtschaft. Rindern wollen wir einen maximal möglichen Auslauf oder Weidegang gewähren. Wir wollen die ganzjährige und saisonale Anbindehaltung schrittweise und zeitnah beenden.
Wildtiere schützen und heimische Artenvielfalt erhalten
Unsere Vision ist ein Baden-Württemberg, in dem auch Wildtiere einen Lebensraum haben. Wir machen uns stark für unsere heimische Artenvielfalt und für aktiven Natur- und Artenschutz, der auch durch modernes Wildtiermanagement ermöglicht wird. Wir setzen uns auch in Zukunft für ein ganzheitliches und tierschutzgerechtes Wildtiermanagement ein, das den Erhalt überlebensfähiger Wildtierpopulationen in unserer Kulturlandschaft gewährleistet und gleichzeitig Zielkonflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, zwischen Forstwirtschaft, Jagd und Tierschutz entschärft. Konkret werden wir die bisher vorgeschriebenen Schießnachweise durch Treffsicherheitsnachweise ersetzen. Weiter etablieren wir ein landesweites, wissenschaftsbasiertes und tierschutzgerechtes Rotwildmanagement mit entsprechendem Monitoring und Fachberatung. Unseren Generalwildwegeplan werden wir aktualisieren und umsetzen. Er ermöglicht die Vernetzung von Populationen und damit genetischen Austausch. Invasive Arten und Neozoen gefährden zunehmend die heimische Biodiversität. Deshalb werden wir außerdem einen „Maßnahmenplan Neozoen-Management“ etablieren und umsetzen. Unser Jagd- und Wildtiermanagementgesetz werden wir entlang der aktuellen wildbiologischen Erkenntnisse, der Erfordernisse des Waldumbaus, des Tier- und Naturschutzes sowie zur effektiven Eindämmung invasiver Arten weiterentwickeln.
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(ohne Gewähr auf Vollständigkeit)