(K)Eine Chance für den Wolf?
Wölfe in Baden-Württemberg, kaum da - schon zum Abschuss freigegeben.
Nachdem Wölfe in unserem Land lange Zeit ausgestorben waren, haben sich inzwischen auch bei uns vier dieser seltenen Tiere etabliert. Während andere Bundesländer schon seit Jahren mit ganzen Wolfsrudeln leben können, werden hierzulande die Waffen gezückt. Aktuell steht der sogenannte Hornisgrinde-Wolf auf der Abschussliste. Für viele Tier- und Naturfreunde im Land eine nicht nachvollziehbare Entscheidung.
Wölfe galten bei uns lange Zeit als ausgestorben. Während sich die Tiere bspw. in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Teilen von Niedersachsen inzwischen wieder etablieren konnten, wird in Baden-Württemberg bereits den ersten Neuankömmlingen das (Über)Leben schwer gemacht.
Gerade einmal vier Wolfsrüden scheinen derzeit im Nord- und Südschwarzwald standardorttreu geworden zu sein. Dreien droht vermutlich schon das vorzeitige Aus durch verharmlost bezeichnete „Entnahme“.
Zwei der Wölfe in BW haben sich durch Herdenrisse auf die potenzielle Abschussliste gebracht. Nun soll auch der sogenannte Hornisgrinde-Wolf getötet werden, weil er sich mehrfach Menschen genähert hat, die in seinem Revier mit Hunden unterwegs waren. Dabei lässt sich dieses Verhalten einfach erklären: Der Wolfsrüde ist höchstwahrscheinlich auf der Suche nach einer Partnerin. Da es derzeit im Schwarzwald aber keine Wölfinnen gibt, seine vorherige Partnerin wurde überfahren, fühlt er sich zu Hunden hingezogen. Diese natürliche Verhaltensweise wird ihm jetzt zum Verhängnis. Nicht zuletzt deswegen, weil die Wolfssichtungen über die (sozialen) Medien massiv gestreut wurden und dadurch einen regelrechten Wolfstourismus entfachten.
Dabei hat er sich bisher ausgesprochen defensiv verhalten. Eine erkennbare Gefährdung für Menschen ist von ihm nicht ausgegangen. Im Gegenteil wird jetzt der Mensch für ihn zur Gefahr.
Aus Angst, der Wolf könne Menschen angreifen, hat das Umweltministerium entschieden ihn töten zu lassen. Gemäß Aussage wären dem Todesurteil verschiedene, erfolglose Versuche vorausgegangen, ihn lebend zu fangen.
Martin Spirgartis, zweiter Vorsitzender des Landestierschutzverbands Baden-Württemberg hat hierfür keinerlei Verständnis: „Es ist mir unverständlich, dass es sogenannten Wolftouristen offenbar problemlos gelingt das Tier anzulocken, aber die beauftragten Wolfspezialisten dies angeblich nicht schaffen. Gemäß Tierschutzgesetz, und darunter fällt auch ein freilebender Wolf, der keine Aggressivität gezeigt hat, ist immer die schonendste Vorgehensweise zu wählen. Das sind in diesem Fall sicher keine Maßnahmen, die den Tod des Wolfs als Ziel haben.“
Für Martin Spirgatis ist klar, dass der Wolf als Rückkehrer hier ein Bleiberecht hat. Für ihn und seinen Verband steht ein friedliches Miteinander von Menschen und Wildtieren an oberster Stelle. Durch ein durchdachtes, angepasstes Herdenmanagement, ggf. auch den Einsatz von geschulten Herdenschutzhunden ist ein solches Miteinander nachweislich auch bei uns möglich. Allerdings erfordert es Akzeptanz und gerechtfertigten Einsatz von uns allen. „Wenn Wölfe noch nicht einmal im Nationalpark Schwarzwald eine Überlebenschance erhalten, wo dann? Dabei hätte man doch gerade im Nationalpark die Möglichkeit, die Region, in der sich der Wolf derzeit aufhält zur Schutzzone zu erklären und für Touristen und Spaziergänger vorübergehend zu sperren. Einmal mehr stellt sich hier doch die Frage: Ist die Wiederkehr des Wolfs und damit einer gesunden Wildtierwelt in Baden-Württemberg wirklich gewollt?“ bringt es Spirgatis auf den Punkt.
So schnell, wie der Wolf Mitte Dezember letzten Jahres dem Landes-Jagdrecht hinzugefügt wurde, können daran berechtigte Zweifel aufkommen. Kaum stand die Entscheidung des Bundeskabinetts, den Wolf im Bundesjagdgesetz aufzunehmen, wurde er auch schon per Rechtsverordnung ins JWMG integriert. Tierschützer und Wolfsfreunde befürchten jetzt, dass damit die „Entnahme“ von Wölfen vereinfacht und beschleunigt wird, während er z.B. in Schweden gerade unter besonderen Schutz gestellt wurde.
Bereits 6 Wölfe sind in BW dem Verkehr zum Opfer gefallen, einer wurde illegal getötet.