Neue Skandale in der Fleischindustrie - wacht endlich auf!
von Redaktion LTschV-BW

Schlachthöfe - ein Ort des Grauens für Mensch und Tier.

Aufgrund der auffällig hohen Anzahl an Coronaerkrankungen sorgen die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern deutscher Schlachthöfe für negative Schlagzeilen. Auch in einem Schlachtbetrieb bei Pforzheim wurden 400 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet.
Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes fragt sich: „Wenn diese an unseren Schlachthöfen tätigen Menschen so behandelt werden, wie können wir dann Achtung für die zu schlachtenden Tiere erwarten?“

Aufgrund der Corona-Krise treten jetzt die Zustände in den großen Schlachtbetrieben in den Blick der Öffentlichkeit. Erstaunen herrscht vor allem über die auffällige Häufung der Infizierten in den Schlachtbetrieben. In Birkenfeld - Raum Pforzheim - wurden rund 400 von 1.100 Mitarbeitern positiv auf Covid-19 getestet. Viele davon sind rumänische Leiharbeiter eines Subunternehmens. Für Stefan Hitzler, den Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg ist dies nicht verwunderlich: „Die Produktion von Billigfleisch ist in jeder Hinsicht ein Verbrechen am Leben. Aktuell sehen wir die menschenverachtenden Zustände für die Schlachthofmitarbeiter. Um den vorgeschriebenen Mindestlohn nicht zahlen zu müssen, werden Subunternehmen beauftragt und die Verantwortung für die Mitarbeiter geschickt „outgesourced“. Als Folge arbeiten in vielen deutschen Schlachtbetrieben unterbezahlte Leiharbeiter in überlangem Schichtbetrieb und müssen in Massenunterkünften zu Wucherpreisen auf engstem Raum leben. Wenn die an unseren Schlachthöfen tätigen Menschen schon so behandelt werden, wie können wir dann noch Achtung für die zu schlachtenden Tiere erwarten?“

Für Hitzler ist klar: Wer nur „billig“ kauft, macht sich mitschuldig an den unmenschlichen Zuständen. Denn letztendlich bestimmen die Verbraucher durch ihr Kaufverhalten nicht nur über die Lebensbedingungen der so genannten „Nutztiere“, sondern auch über die Zustände in Schlachtbetrieben.
Aus diesem Grund richtet Hitzler einen eindringlichen Appell an alle Verbraucher: „Wachen Sie auf! Lassen Sie sich nicht ständig vormachen Ihr billiges Fleisch sei glücklich auf einer Weide aufgewachsen und einen friedlichen Tod gestorben. Die weitaus meisten Tiere hatten ein qualvolles Leben, bei dem an jedem Cent gespart wurde, um den maximalen Profit zu erzielen. Und auch der letzte Weg, der Transport zum Schlachthof bis hin zum Tod, war i.R. mit großem Leid verbunden. Über oft lange Transportstrecken werden sie zu großen Schlachtunternehmen gebracht, wo sie dann - teilweise nicht richtig betäubt - am Fließband im Akkord sterben. All dies nur um die Dumpingpreise an der Ladentheke zu ermöglichen.“

Jeder kann ganz einfach seinen Beitrag zu mehr Tier- und letztendlich auch Menschenschutz leisten, indem er weniger oft tierische Produkte kauft, dafür zukünftig auf höherwertige Qualität achtet, bspw. auch berücksichtigt wo das Produkt herkommt und wie es hergestellt wurde.
Fleisch und Milchprodukte aus tierartgerechter oder Bio-Haltung sind zwar merklich teurer, allerdings sind sie den Mehrpreis auch wert. Denn nicht nur die Tiere können so von besseren Haltungsbedingungen profitieren, auch die Mehrarbeit der Landwirte zahlt sich dadurch aus. Nicht zuletzt müssen bei geringerem Fleischverzehr auch weniger Tiere gehalten werden, was sich wiederum positiv auf die Umwelt- und Klimabilanz auswirkt.

Dadurch, dass nun die Bedingungen des Schlachthofpersonals in den großen Betrieben auch von der breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen werden, erhoffen sich Tierschützer wie Stefan Hitzler einen entscheidenden Impuls: „Vielleicht ist jetzt endlich der Moment gekommen an dem diese Schande an der Schöpfung ein Ende findet.“

Daher auch der eindringliche Appell der Tierschützer an die Politik jetzt nicht, wie viel zu oft, nur an den Symptomen dieser Ausbeutung von Mensch und Tier herum zu bessern, sondern das gesamte System auf den Prüfstand zu stellen. Um bessere Bedingungen zu schaffen, müssen die kontrollierenden Instanzen gestärkt werden. Es kann in einem Land wie Deutschland nicht sein, dass Tierhaltungsbetriebe, -Transporte und Schlachthöfe nur stichprobenhaft alle paar Jahre - und dann möglicherweise nur telefonisch - „geprüft“ werden. Leben, ob Mensch oder Tier ist mehr als Zahlen in einer Leistungsbilanz. Das Grundgesetz verpflichtet die Bundesregierung zum Schutz der Würde von Mensch und Tier.

Hintergrund
Schon lange prangern der Landestierschutzverband und die ihm angeschlossenen Tierschutzvereine die unhaltbaren Zustände bei der Fleischproduktion an. Immer wieder kommen tierschutzrelevante Missstände ans Licht: eklatante Tierschutzverstöße auf Bauernhöfen, immense - schon im Voraus einkalkulierte - Todesraten während der Tiermast, lange und oft grausame Tiertransporte und regelmäßige Schlachthofskandale schockieren regelmäßig die Öffentlichkeit.
Auch Baden-Württemberg ist hier keine Ausnahme. Erst vor zwei Jahren sorgten Undercover-Aufnahmen einer Tierschutzorganisation von einem Schlachthof in Tauberbischofsheim für Schlagzeilen, die u.a. zeigten, wie - im Beisein von eigentlich für Tierschutz zuständigen Veterinären - Tiere ohne ausreichende Betäubung geschlachtet wurden. Daraufhin veranlasste das zuständige Ministerium ein landesweites Schlachthofmonitoring bei 40 Betrieben. Das nicht anders zu erwartende Ergebnis: der Umgang mit den Schlachttieren laufe überall vorschriftsmäßig.
Forderungen von Tierschutzseite, die Akkordschlachtungen endlich abzuschaffen, deutlich mehr Tierschutz-Kontrollen an Schlachthöfen zu veranlassen, mehr unabhängige Amtstierärzte für die Überwachung von Schlachthöfen einzustellen oder zumindest standardmäßig Videoaufzeichnungen von der Tieranlieferung bis zur Schlachtung einzuführen, wie bspw. in England schon so vorgeschrieben, scheitern auf Landes- und Bundesebene weiterhin.

 

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