Das Sterben der Lämmer - Landestierschutzverband Baden-Württemberg
Das Sterben der Lämmer
von Redaktion LTschV-BW

Das Sterben der Lämmer

Trotz Winterzeit bekommen jetzt schon viele Schafe ihre Jungen. Dies wird insbesondere dann zu einem Tierschutzproblem, wenn die Schafe im Freien gehalten werden. Um den Tod von Lämmern durch Erfrieren oder Unterernährung zu vermeiden, sind besondere Fürsorge für die trächtigen Mutterschafe sowie witterungsgeschützte Ablammplätze unerlässlich. Zu oft fehlen allerdings die notwendigen Schutzvorkehrungen und neu geborene Lämmer sterben, wie aktuell wieder im Raum Karlsruhe. Der Landestierschutzverband bittet die Bevölkerung sowie die zuständigen Behörden deshalb um erhöhte Aufmerksamkeit.

Wintereinbruch mit Schnee und Frost sorgen derzeit vielfach für Probleme, schon länger war der Winter bei uns nicht mehr so lange anhaltend kalt. Bei Temperaturen um die null Grad und weniger haben neugeborene Lämmer, die ohne Witterungsschutz zur Welt kommen, kaum eine Überlebenschance, wie aktuell ein trauriges Beispiel aus dem Landkreis Karlsruhe wieder unschön zeigte. Seit fast zwei Monaten sterben bei Ittersbach immer wieder Tiere schutzlos auf offenem Gelände. Inzwischen wurden bereits 16 verendete Schafe und Lämmer dokumentiert. Gegen den Schäfer läuft derzeit eine Strafanzeige.

Mit über 208.000 Schafen - davon 150.000 Mutterschafe - zählt Baden-Württemberg zu den schafreichsten Bundesländern. Neben der stationären Hütehaltung ist dabei nach wie vor auch noch die klassische Wanderschafhaltung von Bedeutung.
Vor allem zum traditionellen Osterfest, steigt die Verbrauchernachfrage nach Lammfleisch besonders hoch an. Um den Bedarf beliefern zu können, planen Schafhalter die Deckzeit gezielt so, dass die Lämmer schon im Winter geboren werden. Gerade bei der ganzjährigen Weidehaltung erfrieren deshalb leider immer wieder frischgeborene Jungtiere, weil trotz anhaltendem Frost und Regen ein geeigneter Witterungsschutz fehlt. Hinzu kommt, dass natürliche Weiden im Winter kaum mehr Nahrung bieten. Das noch vorhandene Gras ist alt und vertrocknet und hat kaum noch Nährstoffgehalt. Fehlt dann auch noch die notwendige Zusatzfütterung in erforderlicher Qualität und Menge bzw. wird die Trinkwasserversorgung nicht in ausreichendem Maße gewährleistet, kann das insbesondere für hochträchtige Schafe oder Mutterschafe zu erheblichen Gesundheitsproblemen führen.

Gemäß Tierschutzgesetz ist jeder Tierhalter dazu verpflichtet, seine Tiere der jeweiligen Art entsprechend gut zu pflegen und zu versorgen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Der Landestierschutzverband verurteilt deshalb verharmlosende Aussagen, wie „bis zu 30 % Lammverluste seien normal“ auf das Schärfste.
„Eine derart hohe Todesrate bei neugeborenen Lämmern wie im aktuellen Fall ist alarmierend und nicht hinnehmbar. Mit nur wenigen Mitteln, ein bisschen gutem Willen und entsprechendem Einsatz lässt sich der qualvolle Tod von Schafen verhindern. Vorausschauende Planung und das richtige Management gehören zur grundlegenden Sachkunde, die das Tierschutzgesetz auch für die Halter so genannter Nutztiere zwingend vorschreibt, und zwar für jedes einzelne Tier“, betont Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes.
Er appelliert deshalb an die zuständigen Behörden bei Missständen sofort einzuschreiten und dafür zu sorgen, dass tierschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Gleichzeitig bittet er auch Mitbürger*innen um erhöhte Aufmerksamkeit und darum, Auffälligkeiten oder offensichtlich schwache Tiere sofort zu melden. Adressaten für solche Meldungen sind die Veterinärämter der Landkreise oder Städte und ggf. auch die Polizeistationen oder örtliche Tierschutzvereine bzw. Tierheime.

Hintergrund:
Die Kältetoleranz und allgemeine Belastungsgrenze sind bei hochträchtigen Schafen und insbesondere bei neugeborenen Lämmern deutlich herabgesetzt. Vor allem im Winter oder bei nasskaltem Wetter ist deshalb ein Witterungsschutz unerlässlich. Nach der Rechtsprechung sowie auch nach diversen Empfehlungen reicht ein alleiniger „Windschutz“ nicht aus!
In den letzten sechs bis acht Wochen der Tragezeit benötigen hochträchtige Schafe zudem erhöhte Aufmerksamkeit und Fürsorge. Insbesondere ist auf eine ausreichende und ihrem Zustand angepasste Fütterung zu achten und der erhöhte Nährstoffbedarf muss ausgeglichen werden. Nur so wird vermieden, dass die Lämmer zu früh oder mit zu wenig Gewicht und damit zu lebensschwach auf die Welt kommen. Nicht nur die Kälte, auch ständiger Niederschlag und starker Wind können im Winter eine lebensbedrohliche Unterkühlung neugeborener Lämmer nach sich ziehen. Zum Ablammen ist deshalb ein trockener, gegen Regen, Schnee und Wind sowie Bodenkälte geschützter, mit Stroh eingestreuter Liegeplatz unerlässlich. Bei der Geburt sollte der Schafhalters in der Nähe sein, um bei Geburtsproblemen rechtzeitig reagieren bzw. eingreifen zu können. Gleichzeitig muss - auch bei Frost - immer für ausreichend Trinkwasser gesorgt werden, das nicht eingefroren ist.

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