Angelsport tötet Fische und Vögel
von Redaktion LTschV-BW

Angelsport tötet Fische und Vögel

Immer wieder wird zurückgelassenes Angelzubehör zur Todesfalle für andere Tiere. Oftmals sind die Opfer Vögel: Abgeschnürte Gliedmaßen durch Angelleinen, äußere und innere Verletzungen durch Angelhaken oder verschluckte Köder aus Blei und Kunststoff bedeuten einen langsamen und qualvollen Tod.
Der Landestierschutzverband fordert die Angelvereine auf zu handeln, denn auch Angler sind den Tierschutzvorgaben verpflichtet.

Leider ist es keine Seltenheit, dass die Hinterlassenschaften von Anglern zur Todesfalle für andere Tiere werden. Erst vergangene Woche wieder wurde im Raum Ludwigsburg eine Angelschnur mit Haken zum Todesurteil eines Kormorans. Der Angelhaken hatte sich durch den Schnabel gebohrt und die Restleine sich dann an einem Ast verfangen. Zwei Tage zappelte der Vogel im Baum und versuchte sich zu befreien - ohne Erfolg. In einer gemeinsamen Aktion gelang es Tierfreunden letztendlich den bedauernswerten Vogel zu befreien, doch die Hilfe kam zu spät. Das schwer verletzte und völlig entkräftete Tier verstarb noch in der Nacht.
Bereits Ende März konnte in Blaubeuren ein Schwan mit einem Angelhaken in der Zunge durch die Feuerwehr noch gerettet werden. Nachdem dort schon im Januar ein Gänsesäger mit einem Haken an der Schwimmflosse tot aufgefunden wurde, hatte der Schwan mehr Glück. Dank aufmerksamer Mitbürger, der Einfangaktion und dem Tierarzt hat er überlebt.

Kormoran mit Angelhaken im Unterschnabel

Dies sind keine Einzelfälle. Insbesondere für Wasservögel werden abgeschnittene oder zerrissene Angelschnüre und grausame Köderhaken immer wieder zum tödlichen Verhängnis. Häufig landen auch Schwäne, Gänse und Enten mit Abschnürungen und anderen Verletzungen durch Angelzubehör in Tierarztpraxen. Da sie groß sind und sich gerne in menschlicher Nähe aufhalten, fallen sie eher auf. Anders sieht es bei scheuen und seltenen Vögeln aus. Ernähren sie sich zudem von Fischen, wie Reiher, Haubentaucher oder Gänsesäger sind sie in doppelter Gefahr. Denn oftmals fangen sie gezielt die schon geschwächten Fische, die sich samt Haken losgerissen haben und verenden dann langsam an dem tödlichen Mageninhalt. Oder sie schlucken die täuschend echt aussehenden Kunstköderfische samt Haken. Aber auch Fledermäuse und andere Tiere kommen durch Angelmüll regelmäßig ums Leben.

Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbands, kennt das Problem schon seit Jahren: „So lange ich im Tierschutz aktiv bin, hat sich an dieser Problematik eigentlich nichts geändert. Immer noch gehen zahlreiche Angler leichtfertig mit ihren Angelutensilien um. Festhängende Schnüre werden einfach abgeschnitten, zu dünne Angelleinen reißen, Köderhaken gehen verloren oder werden einfach zurückgelassen und dann zu Todesfallen für andere Tiere. Als besonders erschreckend empfinde ich die teilweise noch überdeutlich zu spürende Feindschaft gegenüber fischfressenden Vogelarten, wie dem Kormoran, oder sonstigen Schwimmvögeln, die beim Angeln stören könnten. Mitgefühl und Rücksicht für die angebliche Konkurrenz ist hier kaum zu erwarten.“ Hitzler betont einmal mehr, dass das Tierschutzgesetz für alle gilt. Wer wissentlich in Kauf nimmt, dass Tiere an den Folgen des eigenen Handelns qualvoll zugrunde gehen, macht sich der Tierquälerei schuldig.

Sein Standpunkt ist klar: Für Tierfreunde und Tierschützer ist der so genannte „Angelsport“ prinzipiell inakzeptabel. In zahlreichen Studien wurde bewiesen: Fische verfügen über Schmerzempfinden und sind leidensfähig. Ganz abgesehen vom Leiden des Fischs während der Angelprozedur gibt es nach Ansicht des Verbandsvorsitzenden aber auch sonst keinen „vernünftigen Grund“, der das Freizeitvergnügen rechtfertigen könnte. Überlebensnotwendig ist das Angeln für den Hobbyangler sicherlich nicht. Und welcher Fisch letztendlich am Haken zappelt, ist nicht vorhersehbar. Oft sind sie zu klein oder die falsche Zielart und werden verletzt wieder zurückgesetzt. Zu allem Übel kommen dann noch die genannten unzähligen Opfer des hinterlassenen Angelmülls. Wie viele Kollateralschäden dadurch zusätzlich entstehen, lässt sich nicht beziffern. Die weitaus meisten Angelmüllopfer verenden ungesehen und daher ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

In BW sind derzeit über 140.000 Angelscheininhaber gemeldet. Und noch nicht einmal in Naturschutzgebieten sind Tiere vor den Hinterlassenschaften der Angler sicher. Deshalb fordert Hitzler endlich strengere Regelungen und Kontrollen für den sogenannten „Angelsport“.

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