Lebendige Weihnachtsmärkte ja - aber bitte ohne echte Tiere

20.11.19 - Ob lebende Krippentiere oder Hunde: Für Tiere bedeuten die ungewohnte Umgebung, die vielen fremden Besucher, das dichte Gedränge und der Lärm Dauerstress. Der Landestierschutzverband fordert Kommunen auf lebende Krippentiere auf mehrtägigen Weihnachtsmärkten nicht zuzulassen. Gleichzeitig appelliert der Vorsitzende Stefan Hitzler an alle Hundehalter ihre Vierbeiner zuhause zu lassen.

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Demnächst eröffnen landesweit wieder zahlreiche Weihnachtsmärkte. Eine beliebte Tradition, deren besondere Stimmung viele Besucher anzieht. Vor allem abends sind die Märkte oft gut besucht und die Glühweinstände erzielen reißenden Absatz. Leider setzen einige Veranstalter auf lebende Tiere als zusätzliche Zuschauerattraktionen. Esel, Schafe und Ziegen werden oft wochenlang als lebende Krippentiere ausgestellt.
Für Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, ist das nicht akzeptabel. Seiner Ansicht nach haben Tiere auf einem Weihnachtsmarkt nichts verloren.
„Der ständige Trubel und ungewohnte Lärm, fehlende Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere, kaum Bewegungsspielraum, oft nasskalte und zugige Witterung, der harte Untergrund aus Asphalt oder Pflasterboden, gutgemeinte aber unkontrollierte falsche Fütterung durch die Besucher, sind nur einige Beispiele, weshalb die Tiere dort massivem Leid ausgesetzt sind!“ zählt der Landesvorsitzende auf, „Wenn dann möglicherweise noch Mutterschafe mit Sauglämmern als besondere Attraktion präsentiert werden, ist das als tierschutzwidrig zu werten.“
Deshalb fordert Hitzler Tierhalter dazu auf, ihre Tiere nicht für solche Zurschaustellungen zur Verfügung zu stellen. Auch nicht für nur wenige Tage.
„Echte Tierfreunde sprechen sich gegen lebende Krippentiere aus und erklären ihren Kindern, dass Weihnachtsmärkte keinesfalls eine tiergerechte Umgebung für Tiere sind.“

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Grundsätzlich ist die Zurschaustellung oder Nutzung von lebenden Tieren auf Volksfesten und Jahrmärkten nach Auffassung von Tierfreunden nicht mit den heutigen Tierschutzansprüchen unserer Bevölkerung zu vereinbaren und somit nicht mehr zeitgemäß.
Der landesweit größte Tierschutzverband sieht hier vor allem auch die zuständigen kommunalen Ordnungs- und Veterinärbehörden in der Pflicht: Sie sollten aus Tierschutzgründen „lebendigen Krippen“ grundsätzlich eine Absage erteilen.

Ähnliches gilt im Übrigen für die Mitnahme von Hunden. Auch wenn die Vierbeiner i.d.R. sehr gerne mit ihren Besitzern unterwegs sind, einen Besuch des Weihnachtsmarkts sollte man ihnen in jedem Fall ersparen. Selbst der friedlichste Hund steht im Gedränge fremder Menschen, umringt von Lärm und ständig in Gefahr unabsichtlich getreten werden, unter extrem hoher Anspannung. Schnell kann es dann auch dazu führen, dass ein Hund zuschnappt oder im Getümmel verloren geht.
„Wer seinem Hund unnötigen Stress und Aufregung ersparen will, lässt ihn am besten zuhause,“ so die Empfehlung von Stefan Hitzler. Gleichzeitig rät er auch dringend davon ab, Hunde bei Kälte stattdessen über längere Zeit im Auto zurückzulassen.

Hintergrund:

Krippendarstellungen mit lebendigen Tieren, wie Schafe und Esel gehören auf einigen großen Weihnachtsmärkten im Land, wie bspw. in Stuttgart und Ulm noch immer zu den traditionellen Attraktionen. Die Tiere werden von ihrer Herde oder Artgenossen getrennt und teilweise wochenlang dem Weihnachtstrubel ausgesetzt. In kleinen Ställen oder oft zugigen und feuchtkalten Gattern auf spärlich eingestreutem Asphalt- oder Pflasterboden leiden sie unter notorischem Bewegungsmangel und haben kaum Möglichkeiten, sich an ein ruhiges Plätzchen zurückzuziehen. Falsche Fütterung durch Besucher stellt eine zusätzliche Gefahr für die Krippentiere dar, z.B. an einer Kolik qualvoll zu verenden. Vor allem Muttertiere und ihre Lämmer benötigen besonderen Schutz. Frischgeborene Lämmer, die noch auf die Milchversorgung ihrer Mutter angewiesen sind, sollten keinesfalls als Krippentiere eingesetzt werden, zu groß ist die Gefahr, dass die Mutter ihre Jungen stressbedingt nicht mehr säugt oder die Lämmer auskühlen bzw. erkranken. Nicht ohne Grund dürfen hochträchtige Tiere auch nicht transportiert werden.