Greifvögel vergiftet - Landestierschutzverband warnt vor Giftködern
Unbekannte haben schon Mitte Januar im Raum Rastatt-Karlsruhe mit dem Nervengift Carbofuran präparierte Wildreste ausgelegt. Über 30 tote Greifvögel wurden dort gefunden. Jetzt weiten sich die Todesfälle auch über den Rhein-Neckar-Kreis aus. Schon über 50 Greifvögel verendeten qualvoll. Der Landestierschutzverband warnt deshalb auch Hundehalter und bittet die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit.
Die im Raum Rastatt und Rheinstetten-Mörsch gefundenen Bussarde sind demnach an mit Carbofuran vergifteten Wildüberresten verendet. Das bei uns verbotene Pflanzenschutzmittel ist ein stark toxisches Kontaktgift, das auch für Menschen gefährlich werden kann. Die gefundenen - und mit dem Gift präparierten - Reh- und Wildschweinteile wiesen zum Teil noch Einschusslöcher auf und waren vermutlich gezielt für Greifvögel ausgelegt worden.
Seit 1977 ist es in Deutschland offiziell nicht mehr erlaubt, Greifvögel und Eulen zu bejagen. Sehr zum Ärger mancher Geflügelhalter, Taubenzüchter oder auch Jäger, die in den stolzen Vögeln nur eine drohende Gefahr für die von ihnen gehegten Rassetiere oder dem Jagdwild sehen. Leider ist traurige Realität, dass immer wieder zu nicht legalen Mitteln gegriffen wird, um sich der ungeliebten Beutegreifer zu entledigen. Erste Untersuchungsergebnisse erwecken den Anschein, dass auch jetzt wieder gezielt zu Giftködern gegriffen wurde.
Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, warnt eindringlich: “Vor allem Hundehalter sollten bei Spaziergängen außerhalb bebauter Gebiete unbedingt vorsichtig sein und aufpassen, dass ihre Vierbeiner nicht versehentlich solche Giftköder fressen.“ Gleichzeitig bittet er die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit und Mithilfe bei der Aufklärung dieser Tierquälereien: „Wenn tote Tiere oder verdächtige Köder gefunden werden sollten diese nicht angefasst werden. Stattdessen raten wir dringend dazu umgehend die Polizei zu informieren“.
Erst vor wenigen Tagen sind jetzt auch bei Rauenberg im Rhein-Neckar-Kreis 20 tote Bussarde bei Gleisarbeiten der Bahn gefunden worden. An zufällige Todesfälle glaubt keiner mehr. Besonders grausam: Durch den Winter, die lang anhaltende Frostphase und zeitweise geschlossene Schneedecke sind alle auf Beute angewiesenen Tiere, also auch die Greifvögel, völlig ausgehungert. In Notzeiten wird dann auch Aas nicht mehr verschmäht und das vergiftete Köderfleisch verschlungen. Mit tödlichen Folgen.
Die Statistik zeigt, dass solche gezielten Greifvogel-Vergiftungsaktionen häufig in Jagdrevieren mit hohem "Niederwildanteil" stattfinden, also in eher offenen Landschaften mit Feldern und Wiesen. Der Landesjagdverband verweist ausgerechnet in seiner aktuellen Monatszeitschrift („Der Jäger in Baden-Württemberg, Ausgabe 2/2011“) mit dem Titelbild eines Habichts an einem toten Fasan darauf, dass (Zitat:) „...die beobachtete Zunahme von Habicht und Bussard in manchen Revieren bereits geschwächten Niederwildbesätzen zusätzliche Probleme bereitet“.
„Nicht nur nach dem Tierschutzgesetz ist es verboten, Tiere ohne Grund zu töten. Im Falle der Greifvogelvergiftung wird gleichzeitig auch gegen jagdrechtliche und naturschutzrechtliche Vorgaben verstoßen. Es handelt sich hier also nicht um ein Kavaliersdelikt - ganz im Gegenteil: Derartige Taten können mit saftigen Geldstrafen, in schweren Fällen auch mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren bestraft werden“, so Herbert Lawo mit Nachdruck, „dies würde auch und insbesondere für widerrechtlich handelnde Jagdpächter gelten, denen dann durchaus der Jagdschein entzogen werden kann“.
Jüngsten Meldungen zufolge sind bei Muggensturm, Kreis Rastatt erneut tote Greifvögel gefunden worden - höchste Zeit also Vogelkillern endlich das Handwerk zu legen.
Karlsruhe, 02. Februar 2011


