Jahreshauptversammlung des Landestierschutzverbandes mit Neuwahlen
Hochrangiger Besuch anlässlich der Mitgliederversammlung des größten Tierschutzverbands in Baden-Württemberg: die tierschutzpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen Renate Rastätter und der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Wolfgang Apel würdigen die Arbeit des Landesverbandes. Herbert Lawo - Vorsitzender des Landestierschutzverbandes - stellte eine umfassende Jahresbilanz vor. Er wurde von allen Delegierten einstimmig für weitere drei Jahre in seinem Ehrenamt bestätigt.
Am vergangenen Samstag veranstaltete der Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V. in Reutlingen seine diesjährige Jahreshauptversammlung. Der Dachverband von derzeit 109 Tierschutzvereinen im Land ist die größte Tierschutzorganisation in Baden-Württemberg.
Im Rahmen des Nachmittagsprogramms würdigten hochrangige Ehrengäste die Aktivitäten des Landestierschutzverbandes. In seinen einführenden Worten lobte bspw. der Wirtschafts- und Finanz-Bürgermeister der Gastgeberstadt Reutlingen, Peter Rist ausdrücklich die Zuverlässigkeit und gute Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tierschutzverein Reutlingen. Renate Rastätter, die tierschutzpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Bündnis 90 /die Grünen stellte im Anschluss einige der Tierschutzinitiativen der Grünen im Land vor und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass diese Ziele unter Grün-Rot endlich eine reelle Chance auf Umsetzung haben. Insbesondere die von Tierschützern immer wieder gestellten Forderungen nach einem Verbandsklagerecht für seriöse Tierschutzverbände sowie die Neuschaffung des Amtes eines/ einer Landes-Tierschutzbeauftragten könnten jetzt - unter der neuen Regierungskonstellation - in greifbare Nähe rücken.
In diesem Zusammenhang bezog sie sich u. a. auf die Wahlprüfsteine des Landestierschutzverbandes, die der Verband im Vorfeld der Landtagswahlen an die Landtagsfraktionen versand hatte und die in den jetzigen Koalitionsverhandlungen als Orientierungshilfe dienen könnten. Gleichzeitig forderte sie die Tierschutzvertreter auf, in ihren Bemühungen für die Tiere nicht nachzulassen, sondern den Druck auf die Landespolitik weiterhin aufrecht zu erhalten und ihre tierschutzpolitische Interessen und Anliegen immer wieder zu thematisieren.
Wie der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, daran anknüpfend versicherte, gehe der Bundesverband hier mit gutem Beispiel voran. Mit Forderungen wie dem Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln, einem generellen Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden, der Abschaffung der Kleingruppenhaltung von Legehennen oder der Anbindehaltung von Milchkühen setzt sich der Dachverband von bundesweit über 700 Tierschutzvereinen auf Bundesebene aktuell für mehr Tierschutz in Deutschland ein.
Zahllose wildlebende Katzen sowie die Folgen von Hartz IV und die damit verbundenen finanziellen Einbußen für Langzeitarbeitslose machen Tierschutzvereinen vor Ort zunehmend zu schaffen. Apel beklagt, dass viele Haustiere nicht mehr ausreichend versorgt werden und erforderliche tierärztliche Behandlungen nicht durchgeführt oder bezahlt werden können. Obwohl diese Problematik auch bei der Tierärzteschaft ankommt, sind die zuständigen Tierärztekammern allerdings nicht bereit, den Tierschutzvereinen hier Sonderkonditionen einzuräumen.
Der Bundesverband unterstützt seine Mitgliedsvereine deshalb auch auf andere Weise, z. B. durch finanzielle Mittel, Futterspenden oder ein vielfältiges Angebot an Informationen und Weiterbildungsmaßnahmen über die verbandseigene Tierschutzakademie. Gleichzeitig stärkt der Dachverband mit der Kampagne "Rettet die Tierheime" seinen Mitgliedsvereinen zurzeit gezielt den Rücken. Apel machte in diesem Zusammenhang wiederholt darauf aufmerksam, dass Tierheime keine Bittsteller seien, sondern mit der Unterbringung von Fund- und Verwahrtieren zu einem überwiegenden Teil kommunale Aufgaben übernähmen und somit auch einen Anspruch auf entsprechende Ausgleichszahlungen hätten.
Schon am Vormittag hatte Herbert Lawo, seit 2008 erster Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg e. V. (LV), im Rahmen der Mitgliederversammlung einen ausführlichen Jahresbericht vorgestellt. Auch der Landesverband von über 100 Tierschutzvereinen in Baden-Württemberg leistete im vergangenen Jahr wieder wertvolle Arbeit für seine Mitgliedsvereine. So ist es den intensiven Bemühungen des Verbandsvorstands zu verdanken, dass das Land 2010/2011 erstmals über eine Million Euro aus dem Staatshaushalt speziell für Ausbau- oder Sanierungsmaßnahmen für Tierheime zur Verfügung stellte. In diversen Gesprächen mit Vertretern aller Parteien bzw. der kommunalen Verbände klärte die Tierschutzverbandsspitze über die unentbehrliche Arbeit der Tierschutzvereine und Tierheime landesweit auf, die von zahllosen Tierfreunden immer noch größtenteils ehrenamtlich erbracht wird.
Dazu Lawo: „Die Tierschutzvereine und Tierheime im Land stehen inzwischen vor fast nicht mehr zu bewältigenden Aufgaben, eine staatliche Unterstützung fehlte bisher. Der erstmalige Landeszuschuss für 2010/2011 darf deshalb keine nur kurz aufflackernde Einmalaktion bleiben. Die Bereitstellung solcher Hilfen für die Übernahme öffentlicher Aufgaben muss dauerhaft gesichert werden - und: Sie muss verbunden sein mit einem Umdenken in der Beziehung zum Tier, hin zum effektiven Schutz der Tiere.“ Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung wurde Lawo einstimmig von allen Delegierten im Amt bestätigt. Ebenso einvernehmlich wiedergewählt wurden Volker Stutz zum zweiten Vorsitzenden, sowie Stefan Hitzler zum Schatzmeister und Ingrid Weigel als neue Schriftführerin.
Karlsruhe, 19. April 2011


