Hochkonjunktur für Tierheime - vor allem Katzenplätze sind landesweit knapp

Wenn andere Urlaub machen herrscht in den Tierheimen Hochbetrieb. Vor und in den Sommerferien nimmt die Anzahl an ausgesetzten oder gefundenen Heimtieren jedes Jahr drastisch zu, ebenso die Zahl der durch ihre Halter abgegebenen Tiere. Hinzu kommen langfristig angemeldete tierische Pensionsgäste, die über die Urlaubszeit in Tierheimen versorgt werden. Vor allem Katzenplätze werden vielerorts knapp. Um einige dieser Schwierigkeiten bereits an deren Ursache anpacken zu können, fordert Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, den Hundeführerschein für Hundehalter sowie zumindest für Hunde und Katzen die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sowie eine Katzenkastrationspflicht.

 

TH-katzeJedes Jahr beginnt mit den Sommerferien für die Tierheime in Baden-Württemberg die Hochsaison, werden doch genau dann die meisten Tiere ausgesetzt, laufen weg oder werden gefunden. Gleichzeitig wächst auch genau dann die Anzahl an abgegebenen Tieren. Alle brauchen eine geeignete Unterkunft und wollen versorgt und betreut werden, nicht zu vergessen die schon lange angemeldeten Pensionstiere, die ihren Urlaub im Tierheim verbringen sollen. Der zeitweilige Pensionsbetrieb stellt eine wichtige Einnahmequelle für viele Tierheime dar, die sich und ihre Arbeit in hohem Maße mittels Spendengelder finanzieren müssen.

Insgesamt gesehen zeichnet sich über die letzten Jahre ein trauriger Trend ab: die Zahl der nicht mehr gewollten Haustiere, die letztendlich im Tierheim landen, nimmt zu. Schon lange bilden "Abgabetiere" einen hohen Anteil der Tierheimbelegschaft. Der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes sieht dafür gleich mehrere Ursachen: "Zum einen steht immer mehr die gewollte individuelle Flexibilität der Halter im Vordergrund, Job- oder Wohnungswechsel sind an der Tagesordnung, Partnerschaften gehen auseinander - solche Veränderungen gehen oft genug zu Lasten der Haustiere. Zum anderen wird es Leuten viel zu leicht gemacht, an Tiere heranzukommen. Tiere werden inzwischen fast überall angeboten und kosten fast nichts. Dank Internet, EU-weitem Handelsmarkt und fehlender Grenzkontrollen wird es zudem immer leichter auch an exotische Tiere heranzukommen, die dann irgendwann im Tierheim landen."

Illegale Tierimporte überschwemmen zusätzlich den Markt und erhöhen das Tierleid, vor allem der Welpenhandel aus Osteuropa blüht. Entsprechend unüberlegt und spontan werden Tiere heutzutage gekauft. Genauso schnell wird man der Tiere allerdings auch wieder überdrüssig, denn sie beanspruchen Zeit, machen Arbeit, Dreck und Umstände. Folglich landen sie im nächsten Tierheim - sofern sie Glück haben.
Obwohl es nach geltendem Tierschutzrecht verboten ist, sein Tier auszusetzen, werden immer öfter Tiere zurückgelassen. Nicht selten kommt es außerdem vor, dass Tieren einfach "die Freiheit geschenkt wird". Vor allem Katzen werden vor die Tür gesetzt und bleiben sich selbst überlassen, ganz nach dem Motto: "Die kommt schon durch". Einige Katzen überleben tatsächlich, werden aber scheu und misstrauisch. Ihre Nachkommen vermehren sich weiter und führen ein elendes Schattendasein. Obwohl sich die Tierschutzvereine auch um diese frei lebenden Katzen kümmern, sie kastrieren und über Futterstellen betreuen, erkranken oder verhungern alljährlich - von der Bevölkerung vollkommen unbemerkt -Tausende dieser scheuen Stubentiger auch bei uns in Baden-Württemberg.

"Um dem endlosen Tierleid der ausgesetzten Tiere endlich begegnen zu können, fordern wir seit langem eine Art Hundeführerschein und zumindest für Hunde und Katzen eine einheitliche Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht. Nur so können Fundtiere ihren Besitzern endlich zweifelsfrei zugeordnet werden. Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt sind uns hier schon einen Schritt voraus," erklärt Lawo und konkretisiert weiter: "Katzenhalter sollten außerdem unbedingt zur Kastration ihrer Katzen verpflichtet werden, um das Katzenelend der auch bei uns überall lebenden Straßenkatzen endlich an dessen Anfang bekämpfen zu können. Städte wie Paderborn, Delmenhorst, Verden und Hildesheim gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran."

Um den Tierheimen in ihrer aktuellen Situation helfen zu können, hofft Lawo gleichzeitig auf Spenden aus der Bevölkerung für die Tierheimarbeit.

Karlsruhe, 11. August 2011