Zootiere

Das Revier eines Tigers in Freiheit kann bis zu 300km² groß sein. Ein Elefant in seinem natürlichen Lebensraum läuft am Tag an die 80 Kilometer. Das Jagdrevier eines Eisbären hat einen Radius von ca. 150 Kilometern.

In den Zoos ist das anders: Gitterstäbe begrenzen das Gehege der Tiere. Ein paar Meter können sie gehen, dann ist Schluss. Ihrem natürlichen Verhalten können sie so nicht im Geringsten nachkommen.

Zoos und Tiergärten gelten trotzdem noch als beliebte Ausflugsziele für Familien mit Kindern. Im Fernsehen haben Geschichten aus dem Zooalltag schon lange ihre festen Sendezeiten. Doch nur Wenige hinterfragen die einseitige Berichterstattung und Heile-Welt-Darstellung. Schaut man einmal genauer hin, so kommen erhebliche Zweifel am Sinn und Zweck solcher - oft mit hohen staatlichen Subventionen versehenen - Einrichtungen auf und die Frage stellt sich, ob es den Tieren dort wirklich gut geht?

Den Zoos geht es rein um das Geschäft. Ihr Ziel ist es mit der Präsentation der Tiere Geld zu erwirtschaften. Dass es den Tieren dabei nicht gut geht ist fast immer egal. Eine häufige Rechtfertigung der Zoobetreiber: sie praktizieren Artenschutz.

Doch für den Tierschützer gehören Arterhaltung und natürlicher Lebensraum untrennbar zusammen. Die diversen zum Teil hochspezifischen Umweltfaktoren, die in den eigentlichen Ursprungsländern herrschen, können in der Gefangenschaftshaltung des Zoos oft noch nicht einmal ansatzweise simuliert werden. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich beispielsweise die Eisbärenhaltung im Hochsommer bei weit über 30 °C Außentemperatur vor Augen führt. Selbst im Hochsommer hat es in der Arktis, der Heimat der Eisbären, kaum über 10 Grad plus.

Auch für Pinguine oder Robben und Seelöwen dürften die kleinen und flachen Betonbecken nicht annähernd genügend Schwimmraum bieten, vergleicht man sie mit den endlosen Weiten der Meere.

Inakzeptabel ist für Tierfreunde auch die verzerrte Darstellung, Zootiere führten ein Leben im Paradies mit regelmäßiger Fütterung und Rundum-Sorglos-Pflegeservice. Viele Wildtierarten sind überhaupt nicht an ein Zooleben in unseren Breiten angepasst. Selbst großzügig strukturierte Haltungssysteme bieten auf Dauer zu wenig Bewegungsfreiraum und Abwechslung. Schon die aufwendige Futtersuche, mit der sich Tiere in der Wildnis meist den ganzen Tag über beschäftigen und dabei oft auch weite Strecken zurücklegen, fällt weg. Die Anpassungsfähigkeit von Wildtieren wurde in der Vergangenheit überschätzt und sie fühlen sich in der versorgten Gefangenschaft alles andere als wohl. Mittlerweile gilt als gesichert, dass sich das Wohlbefinden vieler Säugetierarten auch in deren Verhaltensweisen ausdrückt. Das wurde noch vor wenigen Jahren als „Vermenschlichung“ abgetan. Gerade höher entwickelte Säugetiere leiden in Zoos aber offensichtlich häufig an Stereotypien und „Zwangsneurosen“ bis hin zur Selbstverstümmelung. Ständiges Hin- und Herlaufen oder sich im Kreis drehen, andauerndes Kopfpendeln (Weben), sich hin und herwiegen oder autistisches „in die Ecke starren“ gelten inzwischen als ausgeprägte Formen des Leidens.

Zahlreiche Haltungseinrichtungen stammen immer noch  fast unverändert aus den fünfziger Jahren oder sind noch älter. Damals mussten die Tierhäuser leicht zu reinigen und die Tiere gut sichtbar sein. Das Resultat: Betonbunker in Fliesen und Stahlrohrambiente mit Eisenstangengitter oder Panzerglasscheibe. Weitläufige Gehege, mit Naturboden, echtem Pflanzenbewuchs und natürlichen Versteckmöglichkeiten sind oft noch absolute Fehlanzeige.

Selbst vorhandene Außengehege sind für viele Tierarten aus den tropischen oder subtropischen Regionen nur in den wärmeren Jahreszeiten nutzbar. Sobald es kühler wird, werden sie „eingewintert“ und bleiben monatelang in winzigen Innenräumen eingesperrt.

Ebenso unakzeptabel wie dieses stille Leid vieler Zooinsassen ist die ständige Tötung „überzähliger“ Nachzuchten. Sicher ist es eine besondere Attraktion, Jungtiere beim Aufwachsen zu beobachten, aber welches Schicksal erwartet sie, sobald sie ausgewachsen sind? Gerade die männlichen Tiere werden bei vielen Arten bald aus ihrer Herde oder Familie ausgestoßen. Zudem sind die Gehegegrößen nicht beliebig ausdehnbar, folglich müssen die Jungen weg. Jedes Jahr wieder.

Da die wenigsten Zoo-Tierarten in einem so genannten Artenerhaltungsprogramm aufgenommen sind, droht ihnen meist ein unsicheres Schicksal. Entweder es wird versucht, sie überregional an andere Zoos, Tierparks, Tierhändler, Zirkusse oder an private Haltungen zu verkaufen oder sie werden kurzerhand getötet.

Der Landestierschutzverband fordert deshalb eine von Grund auf neue und zeitgemäße Zoopolitik. Der viel beschworene visuelle und „pädagogische“ Wert der Einrichtung Zoo ist, angesichts der heutigen medialen Angebote, schon lange antiquiert und überholt. Inzwischen gibt es unzählige Dokumentationen, die uns die Tierwelt des gesamten Planeten in ihrem natürlichen Lebensraum hautnah miterleben lassen und anschaulich in jedes Wohn- oder Klassenzimmer bringen.