Landestierschutzverband fordert deutlich erkennbaren Tierschutz im neuen Wildtiermanagementgesetz

 

Das Landesjagdgesetz ist schon lange nicht mehr zeitgemäß, werden hier doch aus Tradition fast ausschließlich die Interessen der Jagdausübenden geschützt und geregelt. Nach Ansicht eines großen Teils der Bevölkerung muss hier endlich ein Umdenken stattfinden. Neue Rahmenbedingungen müssen formuliert werden, die stattdessen den Erhalt der Natur und der bei uns lebenden Wildtiere zum vorrangigen Ziel haben.

Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund forderte der Landesverband die Landtagsabgeordneten der Regierungskoalition in einem Brief dazu auf, sich für ein zeitgemäßes Wildtiermanagementgesetz einzusetzen.

Von einer neuen Gesetzgebung, die sich mit dem Umgang mit Wildtieren und den Einwirkungen auf deren Bestand befasst, erwarten Tierschützer zumindest die Umsetzung nachfolgender zentraler Punkte:

1. Die Zahl der Tierarten, die als grundsätzlich oder potenziell bejagbar gelten könnten, muss deutlich verringert werden.

2. Jagd darf in Naturschutzgebieten allenfalls erlaubt werden, wenn sie tatsächlich dem Schutzzweck dient.

3. Jagd darf ausschließlich dann erlaubt werden, wenn dafür ein vernünftiger Grund i. S. des Tierschutzgesetzes vorliegt.


4. Der Abschuss von Haustieren (Hunde, Katzen) muss eindeutig verboten werden. Es gibt genügend zumutbare Möglichkeiten, wildernde bzw. des Wilderns verdächtigte Haustiere von solchem Tun abzubringen, ohne diese Tiere zu töten.

5. Die Verwendung von Totfang- und Totschlagfallen muss eindeutig verboten werden. Die mit deren Gebrauch i. d. R. verbundenen Schmerzen, Leiden und Schäden sind tierschutzwidrig.

6. Die Verwendung von Lebendfallen muss für den jeweiligen Einsatz eine behördliche Genehmigung voraussetzen, die sowohl die Prüfung des Einsatzzwecks als auch des Fallentyps voraussetzt.

7. Die Verwendung von Schrotmunition beim Schießen auf Vögel muss verboten werden. Insbesondere beim Schießen auf fliegende Vögel kommt es zu hohen Zahlen von Vögeln, die verletzt entkommen und dann lebenslang an diesen Folgen leiden oder jämmerlich sterben. Dieses Verursachen von Schmerzen, Leiden, Schäden ist tierschutzwidrig.

8. Drück- und Bewegungsjagden müssen aus unserer Sicht verboten werden. Auch hier entstehen in hohem Maße vermeidbare Leiden, Schäden und Schmerzen, nicht nur bei dem gejagten, sondern auch beim nicht zu jagenden Wild, das durch die enorme Beunruhigung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird. Eine erforderliche behördliche Genehmigung, die mittels Vorgaben das Entstehen vermeidbarer Schäden, Leiden, Schmerzen sowie die Folgen der Beunruhigung gewährleistet, wäre die mindestens zu erwartende Maßnahme.

9. Aus Tier- und teilweise auch aus Naturschutzsicht müssen die Wildtiere zumindest während der gesamten Hauptfortpflanzungs- und der Hauptaufzuchtzeiten geschont werden. Deshalb fordern wir eine Begrenzung der Jagdzeiten auf Oktober bis Dezember.

10. Die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren muss uneingeschränkt verboten werden.

11. Das Aussetzen von Tieren, um sie später zu bejagen, muss verboten werden.

12. Die Baujagd muss verboten werden.

13. Die Beizjagd muss verboten werden. Die tierschutzwidrigen Begleitumstände sowohl bei der Haltung der Greifvögel als auch beim unmittelbaren Jagdvorgang sind für die Erhaltung eines tierschutzwidrigen „Kulturgutes“ nicht zu rechtfertigen.