Jagd

Wenn man durch Deutschland fährt, oder wandert gibt es eine Sache, die die offenen Landschaften und Wälder bundesweit mit prägen: Hochsitze. Die kleinen Holztürme mit Sitzbank werden von Jägern aufgestellt, um die Umgebung gut im Blick zu haben und dann, wenn ein Wildtier auftaucht, gezielt den Abzug zu betätigen.

Die Jagd ist für ihre Verfechter und Jagdscheininhaber vorwiegend ein Freizeitvergnügen. In der Vergangenheit war es allein den  Grundbesitzern erlaubt leisten, auf die Jagd zu gehen. Wer Jäger war, konnte sich folglich zu einem elitären Kreis zählen und genoss oft ein hohes Ansehen. Das Leid der Tiere spielte dabei schon immer eine nebensächliche Rolle. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Durch das Bundesjagdgesetz wird die Jagd in Deutschland gesetzlich geregelt. Dadurch ist es auch weiterhin Jagdscheininhabern erlaubt, Wildtiere zu töten. Rund 350.000 Jäger gibt es in Deutschland, in Baden Württemberg sind es in etwa 35 000.  In einem Jahr töten sie zusammen bundesweit mehr als fünf Millionen Wildtiere. Welche Tiere wann getötet werden dürfen, wird über die Landesjagdgesetze genauer  festgelegt. Das „darüberstehende“ Bundes Jagd Gesetz  ist  schon mehrere Jahrzehnte alt und bedarf dringend einer grundlegenden Überarbeitung.. In der stark veralteten Version unterliegen  bspw. sogar  längst ausgestorbene oder in ihrem Bestand bedrohte Tierarten dem Jagdrecht.

Nach dem veralteten Jagdrecht ist es Jägern auch erlaubt, auf  Katzen und Hunde zu schießen, wenn diese sich weit genug weg von einer Ortschaft befinden. Auf Grund dieser Tatsache sterben bundesweit jährlich mehr als hunderttausend Hunde und Katzen. Die Jäger rechtfertigen das Abschießen der Haustiere mit dem angeblichen Schutz des Wildes.

Eigentlich sollen Jäger für einen ausgeglichenen und artenreichen Wildbestand sorgen und die Lebensgrundlagen für die Tiere sichern. Betrachtet man diese Tatsache einmal genauer wird klar, dass es den Menschen dafür nicht braucht. Eine intakte Natur sorgt schon alleine dafür, dass durch „Räuber“ und ihre Beutetiere ein gesundes Gleichgewicht hergestellt wird. Die Jagd ist folglich durch keinen Grund gerechtfertigt und dient den Jägern als Freizeitspaß. Dass sie dabei häufig nicht richtig treffen und viele Tiere qualvoll sterben lassen, wird in Kauf genommen. So schreibt das Gesetz beispielsweise vor, dass ein angeschossenes Tier nur bis zur Grenze des eigenen Jagdbezirkes verfolgt werden darf. Das kranke Tier wird also oft schwer verletzt sich selbst überlassen. Der Tierschutz spielt bei der Jagd keine große Rolle.

Einige besonders tierschutzwidrige Jagdmethoden sind unter anderem die Treibjagd, die Fallenjagd und die Baujagd. Bei der Treibjagd werden die zu jagenden Tiere,  durch Treiber und Hunde aufgescheucht und auf die wartenden Jäger mit Gewehr zugetrieben. Durch die große Unruhe und Hektik im Wald werden auch andere Tiere aufgeschreckt und laufen panisch weg. Leider kommt es dabei vor, dass ein fliehendes Tier in der Hektik nur angeschossen wird - es stirbt nicht gleich, sondern wird nur schwer verletzt und verendet qualvoll.

Auch die  Fallenjagd ist mit hohem Tierleid verbunden. Im Jagdgesetz ist zwar vorgeschrieben, dass die Fallen die Tiere sofort töten sollen. In der Realität sieht das aber anders aus.   Je nachdem werden die Tiere dann so erwischt, dass sie langsam ersticken oder querschnittsgelähmt sind.

Bei der Baujagd wird ein speziell dafür ausgebildeter kleiner Jagdhund in den Bau eines Fuchses oder Dachses geschickt, mit dem Ziel ihn herauszutreiben, damit ihn der Jäger erschießen kann. In ähnlicher Weise werden auch Frettchen zur Kaninchenjagd eingesetzt. Aus Sicht des Tierschutzes wird dabei ein Tier auf ein anderes gehetzt, was nach dem Tierschutzgesetz eindeutig untersagt ist.

Was unter der Erde passiert – darauf hat der Jäger keinen Einfluss. Besonders wenn  der Hund auf einen wehrhaften Fuchs oder Dachs trifft, wird es meist blutig. Verletzungen und gegenseitige Beißereien sind vorprogrammiert.

Eine weitere Tierquälerei: die Bauhunde werden zuvor an  Füchsen in sogenannten Schliefanlagen ausgebildet, obwohl dies für die eingesetzten „Köder“-Füchse mit immenser Angst und Stress verbunden ist, also mit Leiden i.S. Des Tierschutzgesetzes. Denn die Füchse können – auch wenn es in den Ausbildungsanlagen nicht zum direkten Beißkontakt zwischen Fuchs und Hund kommt - nicht flüchten oder ausweichen.

Ebenso ist die Beizjagd – wenn ein abgerichteter Greifvogel auf Wildtiere gehetzt wird –  aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel. Dabei steht vor allem auch die nicht tiergerechte Haltung der hochentwickelten Greifvögel in viel zu kleinen Volieren im Fokus.

Das langfristige Ziel der Tierschützer ist es deshalb die Jagd abzuschaffen, denn für die Tiere bedeutet sie nur Angst und Qual. Kurzfristig sollte unter anderem das Bundesjagdgesetz dringend vollständig überarbeitet und erneuert werden. Wichtige Punkte wären die Kürzung der Liste der zur Jagd zugelassenen Tiere, das Verbot der Fallen- und Treibjagd sowie die Abschaffung der Jagd in Naturschutzgebieten.