Artenschutz im Garten und der Umgebung

Der Landestierschutzverband und seine Mitstreiter kümmern sich nicht nur um Heim- und Nutztiere, sondern auch um Igel, Vogel, Reh und Co., denn auch unsere einheimischen Wildtiere brauchen unsere Unterstützung.

„Ich glaube da ist ein Vogel aus seinem Nest gefallen und kommt nicht mehr rein“ – Oft kommt es vor, dass Menschen meinen, sie müssten Jungvögeln helfen, wenn sie anscheinend „mutterseelenallein“  auf dem Boden oder einem Ast sitzen. Viele denken, dass die Tiere aus ihrem Nest gefallen sind und nehmen sie guten Willens mit. Das ist leider nicht die richtige Methode, denn manche Jungvögel, wie Enten, Gänse, Schwäne, Wat- und Hühnervögel sind so genannte „Nestflüchter“ und verlassen ihr Nest unter Führung der Eltern schon als flaumige Winzlinge.

Andere Jungvögel sehen zwar allein gelassen aus, werden aber auch nach den ersten Flugversuchen außerhalb des Nests noch von  ihren Eltern versorgt. Auch so genannte „Nesthocker“ können – wenn sie fast ausgewachsen sind und schon ein vollständiges Federkleid besitzen - noch nicht sofort perfekt fliegen, sondern müssen das erst lernen. Doch so ein schreiender „Bruchpilot“ , der zeternd unterm Busch sitzt, signalisiert seinen Eltern mit seinem Geschrei nur wo er sich aufhält und wird von ihnen genau beobachtet und weiter gefüttert. Zu ihnen gehören Drosseln, Finken, Meisen und  Rabenvögel wie Segler, Eulen und Greifvögel.

Bei beiden Aufzuchtarten ist es nicht notwendig, die Kleinen mitzunehmen Nur falls die Jungvögel sich neben einer viel befahrenen Straße oder an einem anderen gefährlichen Ort befinden, sollten sie an eine sichere Stelle ganz in der Nähe – möglichst in „Hör- und Sichtweite“ der aufmerksamen  Elternvögel - umgesetzt werden. Sorgen um die weitere Versorgung der Eltern muss man sich i.R. nicht machen, denn die Eltern können den Geruch des Menschen nicht riechen und nehmen ihr Junges ohne Probleme wieder an. Ins Nest zurück gebracht werden sollten nur Vögel, die nicht zu den „Nestflüchtern“ gehören. Diese Arten haben noch kein ausreichendes Federkleid und sehen aus wie kurz nach dem Schlüpfen. Dieses Zurücksetzen sollte dann trotzdem ein Fachmann übernehmen.

„Die Vögel finden bestimmt jetzt im Winter nicht ausreichend Nahrung, ich gebe ihnen Futter“ – Diese Annahme ist richtig! Zwar argumentieren manche damit, dass durch die Nahrungsgabe des Menschen die natürliche Selektion gestört wird, aber die Lebensbedingungen der Vögel sind bei uns oft so schlecht, dass die Vögel Unterstützung gebrauchen können. Wichtig ist bei der Vogelfütterung nur die Art von Futter. Meise, Fink, Spatz, Kernbeißer, Dompfaff, Kleiber, Specht und Zeisig sind Körneresser. Das ideale Futter für sie sind Sonnenblumenkerne, Weizen, Hafer, Mohn, Leinsamen und zerkleinerte Erdnüsse.

Amsel, Drossel, Star, Rotkehlchen, Baumläufer, Heckenbraunelle, Wintergoldhähnchen und der kleine Zaunkönig essen lieber Beeren, wie Holunderbeeren, Vogelbeeren, Ligusterbeeren, Beeren des wilden Weins und des Weißdorns. Die Beeren sollten vor dem Winter gesammelt und getrocknet werden. Obst sollte den Vögeln nicht gefüttert werden.

Ein optimaler Futterort sind Bäume, in denen Vogelhäuschen aufgehängt werden können. Für beide Futterarten sollte je ein Futterhäuschen aufgehängt werden so, dass die verschiedenen Vogelarten sich nicht in die Quere kommen. Weitere Tipps zur artgerechten Winterfütterung von Vögeln erhalten Sie über die Geschäftsstelle des Landestierschutzverbandes.

„Der Igel sieht so klein und schwach aus, der übersteht den Winter sicher nicht!“ – Das stimmt nicht immer. Nicht jeder Igel, den an im Spätherbst trifft benötigt Hilfe.

Tipps, wie man hilfsbedürftige Igel erkennt, finden Sie hier (Link).

Grundsätzlich kann aber jeder seinen Garten igelfreundlich gestalten. Die kleinen, stacheligen Tierchen freuen sich beispielsweise sehr, wenn im Herbst  der ein oder andere Blätter- oder Reisighaufen vom Heckenschnitt einfach liegen bleibt. Für die Igel sind diese „Gartenabfälle“ nämlich der ideale Unterschlupf, um den Winter zu überstehen. Auch beim Zurückschneiden von Büschen sollte an die Igel gedacht werden. Denn auch unter den Pflanzen verstecken sie sich gerne.

Igel gehören zu den besonders geschützten Arten und dürfen deswegen nicht einfach mit nach Hause genommen werden. Mit den kleinen Hilfen können sie aber gut im Garten leben. Nur in äußerst kritischen Fällen, also wenn der Igel kurz vor Wintereinbruch weniger als 500g wiegt, kann der Igel zu Fachleuten ins Tierheim gebracht werden. Um dem Igel zu helfen ist es zudem auch erlaubt ihn bei der Futtersuche mit Hunde- und Katzendosenfutter, hartgekochten Eiern oder Haferflocken helfen.

Achtung: Igeln KEINE MILCH geben.

 „Oh, das arme Rehkitz liegt  hier ganz verlassen, das müssen wir retten“ –Das ist ganz und gar keine gute Idee. Rehe und Feldhasen beispielsweise lassen ihre Jungen, wenn sie noch klein sind, in Wiesen oder Feldern gut getarnt zurück und suchen sie nur zum Säugen auf. Zufällig entdeckte kleine Feldhasen oder Rehkitze sind also noch lange keine Waisenkinder. Hat man sie trotzdem angefasst und tragen sie menschlichen Geruch an sich werden sie vom Muttertier oft nicht mehr angenommen. Scheinbar hilflose Jungtiere sollten also – sofern sie nicht offensichtlich verletzt sind – in jedem Fall für einige Zeit beobachtet werden und zwar so, dass sich zurückkommende Muttertiere nicht gestört oder beunruhigt fühlen. Nur bei offensichtlich geschwächten, kranken, ausgehungerten, unterkühlten oder völlig durchnässten Jungtieren bzw. wenn sich tatsächlich kein Elterntier um die Kleinen kümmert – bspw. Weil sie überfahren oder getötet wurden - , ist es angebracht, die Tiere in menschliche Obhut zu nehmen. Um alle Wildtierarten möglichst wenig bei der Jungenaufzucht zu stören, ist es gerade im Frühjahr und Sommer wichtig, in der Nähe von Brutgebieten die Wald- und Wiesenwege nicht zu verlassen und Hunde zur Sicherheit an die Leine zu nehmen.