Tierversuche

In Deutschland sind 2016 wieder rund 2 Millionen Tiere in Tierversuchen eingesetzt worden. Sie werden mit Krankheitserregern infiziert, ihre Köpfe mit Metallstangen fixiert, sie werden genetisch verändert, ihnen wird Gift gespritzt oder sie werden zerschnitten. Versuchstiere werden einerseits in der Grundlagenforschung verwendet aber auch bei der Entwicklung und Erprobung von neuen Medikamenten oder medizinischen Methoden sowie bei Giftigkeitsprüfungen und vorgeschriebenen Zulassungsverfahren von neuen Chemikalien und Substanzen jeglicher Art.

Baden-Württemberg ist trauriger Weise bei der Anzahl der verwendeten Versuchstiere pro Jahr im bundesweiten Vergleich wieder Spitzenreiter. Die letzten statistischen Zahlen der Bundesregierung von 2016 belegen es: mit 16,84 % des gesamtdeutschen Tierverbrauch bzw. 480.902 Tieren liegt Baden-Württemberg damit auf Rang eins der Negativliste.

Durchgeführt werden diese Versuche an Universitäten, Forschungslaboren oder bei Industrie- und  Pharmaunternehmen. Die  Tiere werden extra für diese Experimente gezüchtet, manche werden aber auch in freier Wildbahn gefangen und dann direkt ins Versuchslabor gebracht. Sie müssen ihr Leben in winzigen, sterilen Käfigen verbringen, haben kaum Beschäftigungsmöglichkeiten, werden im Tierversuch gequält und wenn sie nicht mehr gebraucht werden getötet.

Zu den „Forschungsobjekten“ - im Fachjargon redet man auch gerne von „Tiermaterial“ - zählen unter anderem Ratten, Mäuse, Kaninchen aber auch Schweine, Hunde und Affen.

2016 wurden  über 50 % der Tiere zur Grundlagenforschung verwendet und nur etwa 14 % der Tiere kamen  für die der Erforschung von Erkrankungen von Menschen und Tieren zum Einsatz. Etwa 26 %  der Tiere wiederum wurden deutschlandweit  bei der Herstellung oder Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten oder für toxikologische Sicherheitsprüfungen "verbraucht". Unter anderem werden auch bei Hunden solche vorgeschriebenen Verträglichkeitstests gemacht. Außerdem testen die Mitarbeiter in den Laboren neue Medikamente oder Operationsmethoden an den Vierbeinern.

2014 erregten die Affenversuche in der Stadt Tübingen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wie in vielen anderen Forschungseinrichtungen mit ähnlichem Versuchsaufbau wird auch am MPI Tübingen Grundlagenforschung betrieben. Im Gegensatz zur angewandten medizinischen Forschung und den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungsverfahren ist in der Grundlagenforschung  eine klinische Anwendung der Versuchsergebnisse  oftmals auf Jahrzehnte  hinaus nicht absehbar. Umso fragwürdiger sind diese Affenversuche:

In aufwendigen Operationen werden Ihnen Elektroden ins Hirn gepflanzt. Bewegungsunfähig werden die Tiere dann stundelang in einem „Primatenstuhl“ fixiert um die  Ableitungen der Hirnelektroden störungsfrei messen zu können. Um die  Tiere  für die  Versuche gefügig zu machen, gibt man ihnen tagelang nichts zu trinken. Erst im Versuch, wenn sie sich kooperativ verhalten, bekommen sie ein paar Tropfen Flüssigkeit, meist Fruchtsaft, der den Durst noch steigert. Mit der  von   Forschern     oftmals   behaupteten    „Freiwilligkeit“    und „Bereitschaft“ der Tiere, bei den Versuchen mitzumachen, hat all das nichts zu tun. Ist dieses schreckliche Leid der Tiere ohne erkennbaren Grund wirklich gerechtfertigt und ethisch vertretbar?

Neben den Affen sind  Mäuse und Ratten die bei weitem häufigsten Versuchstiere - und das nicht zuletzt auch, weil viele Frauen eitel sind und faltenfrei sein wollen. Das hochtoxische Nervengift Botox ist bei den Schönheitsbehandlungen mittlerweile überall im Einsatz. Wenn es unter die Haut gespritzt wird, kommt es zu Muskellähmungen und die Haut glättet sich.  Was dabei ignoriert wird: Für diesen Schönheitseingriff müssen Jahr für Jahr zahllose Tiere qualvoll sterben. Denn Botox wird nicht mit einer Maschine hergestellt, sondern im Labor von lebenden Bakterien. Der Gehalt von Botox schwankt in den produzierten Einheiten sehr stark. Deshalb muss jede Charge einzeln auf ihre Giftigkeit getestet werden. Um festzustellen wie viel Botox in einer Einheit ist, wird den Mäusen das Gift in den Bauch gespritzt. Die Tiere sterben dann langsam vor sich hin, leiden an Atemnot, Sehstörungen und Lähmungserscheinungen.

Auch für die Wissenschaft haben die Versuche oft nicht den gewünschten Erfolg, denn viele bei Tieren getestete Stoffe wirken beim Menschen dann doch ganz anders. Die Ergebnisse aus Tierversuchen sind schwer auf den Menschen zu übertragen. So traten schon bei vielen Medikamenten Nebenwirkungen auf, obwohl diese nach den Tierversuchen als verträglich beschrieben wurden. Auch der medizinische Fortschritt verzögert sich oft durch Tierversuche, weil die Forschung sich auf die Untersuchungen an Tieren konzentriert, statt sich am Menschen zu orientieren, bei denen die Wirkung eigentlich „wichtig“ ist.

Zudem gibt es schon längst Methoden, die eine viel genauere und schnellere Analyse von wissenschaftlichen Fragen ermöglichen – ohne Tierversuche! So kann problemlos fast jedes menschliche Körpergewebe nachgezüchtet werden, um daran Chemikalien zu testen. Die Ergebnisse liefern dann eine viel sicherere Auskunft über die Verträglichkeit eines Medikaments. Doch die Entwicklung derartiger Alternativmethoden zu Tierversuchen wird politisch und auch von den Wissenschaftlern selbst weltweit immer noch viel zu wenig anerkannt und gefördert. Hier muss in den Wissenschaftseinrichtungen endlich ein Umdenken stattfinden und - weg vom „Tiermodell“ - endlich die Forschung an alternativen Testmethoden mehr im Fokus stehen.