Weihnachtsessen ohne Delikatessen - Tierschutzappell zum Jahresende

Der Landestierschutzverband ruft dazu auf, Produkte aus Tierquälerei über die Feiertage und den Jahreswechsel gezielt zu boykottieren: "Verzichten Sie auf Fleisch aus Massentierhaltung, gefährdete Meeresfische oder Pseudo-Delikatessen wie Gänsestopfleber, echter Kaviar und lebend "frisch"-gehaltene Krebstiere" rät der Verbandsvorsitzende Herbert Lawo.

gaense-klAn Weihnachten und zum Jahreswechsel kann jeder ganz leicht ein Zeichen setzen und sich nicht mitschuldig machen an millionenfacher Tierquälerei: Das beginnt schon beim Festtagsbraten, der überwiegend aus Massentierhaltung stammt. Im In- und Ausland leiden hierfür unzählige Puten, Enten und Gänse eng eingepfercht unter grausamen Haltungsbedingungen. Im Turbomastverfahren nehmen die auf schnelles Wachstum gezüchteten Puten und Masthähnchen viel zu schnell zu, Knochendeformationen und -Brüche bzw. Kannibalismus sind die Folge. Zahlreiche verletzte und tote Tiere sind an der Tagesordnung und von vorneherein einkalkuliert. Auch eigentliche Schwimmvögel wie Enten und Gänse müssen ihr Dasein eingesperrt in Käfigen oder großen Hallen in künstlichem Dämmerlicht verbringen, ohne je Wasser oder frische Luft gesehen zu haben. Der erste und einzige "Ausflug" dieser Tiere: Kistenweise zusammengepfercht und gestapelt - ist der letzte Weg zum Schlachthof, wo sie der qualvolle und nicht immer schnelle Tod am Fließband erwartet.

"Gönnen Sie sich zu den Feiertagen auch kulinarisch eine Auszeit. Wie wäre es, einmal fleischlos zu kochen? Zum Wohl der Tiere und der eigenen Gesundheit. Und wenn doch "tierische" Gerichte auf den Tisch kommen sollen, achten Sie darauf, dass die verwendeten Zutaten aus tiergerechter Haltung oder nachhaltiger Nutzung stammen. Auch wenn dieses Festtagsessen etwas teurer ist, kann man es doch mit besserem Gewissen genießen," so der Rat des Landestierschutzverbandsvorsitzenden Herbert Lawo.

Auch beim Fisch gilt es aufzupassen. Vom Kauf von Zuchtlachsen raten Tier- und Naturschützer entschieden ab, denn die industrielle Lachszucht in riesigen Aquakulturen wird zunehmend zum ökologischen Problem. Weil z.B. Lachsfarmen an Norwegens und Kanadas Küsten zur Zucht tonnenweise Pestizide und Antibiotika einsetzen, verursachen sie große Umweltschäden. Auch bei Meeresfisch sollte gezielt darauf geachtet werden, dass die jeweiligen Fischbestände nicht schon völlig überfischt sind oder durch unselektive Fangmethoden jede Menge "Beifang" zu Tode kommt bzw. durch Schleppnetze der Meeresboden zerstört wird. Wer den verheerenden Raubbau in unseren Ozeanen nicht unterstützen will, meidet beim Fischkauf Rotbarsch, Seezunge, Seeteufel, Scholle, Dornhai (Schillerlocke), Aal und Kabeljau.

Tierfreunde verzichten auf so genannte "Delikatessen" wie Kaviar, Hummerfleisch und Stopfleber.

"Echten Kaviar" gewinnt man, indem man weiblichen Stören die Fischeier entnimmt und sie so tötet. Alle Störarten stehen schon seit Jahren unter Artenschutz und besonders die Beluga-Störe sind als eine der größten Süßwasserfischarten der Erde extrem vom Aussterben bedroht. Inzwischen ist der gesamte internationale Handel mit Störeiern streng reglementiert und es müssen so genannte CITES-Genehmigungen vorliegen. Aufgrund exorbitanter Preise verheißt der illegale Kaviarhandel jedoch enorme Gewinnspannen, und da die Nachfrage nach Stör-Kaviar ungebrochen ist, blühen Raubfischerei und der illegale Handel weiterhin.

Die "Zubereitung" von lebenden Hummern ist ebenfalls eine bestialische Tierquälerei. Ihr letzter Todeskampf im siedend heißen Wasser zieht sich über Minuten hin. Fast genauso grausam ist der vorangegangene Leidensweg der Tiere. Direkt nach dem Fang werden die Scheren der Hummer mit straffen Gummibändern zusammengebunden und die Tiere in riesigen Meerwassertanks dicht gepackt oft über Monate lebend "zwischengelagert". Dabei kommen ca. 30 % ums Leben. Für Langstreckentransporte werden die Tiere dann ohne Wasser, übereinander geschichtet in Styroporbehälter gequetscht, zwischen Eisblöcke gepackt und in alle Winkel der Erde verfrachtet. Die Überlebenden kommen - häufig in Schichten bis zu fünf Hummern übereinander gestapelt - in enge Wasserbehälter. Schnell sind diese viel zu dicht besetzten Hälterungsbecken, in denen die Hummer auf ihren Verkauf an den Verbraucher warten, verdreckt oder das wenige Wasser enthält zu wenig Sauerstoff.

Auch andere "Delikatessen" sind Ergebnisse extremer Tierquälerei. Für Stopfleberprodukte werden Enten oder Gänse über Wochen täglich mehrmals zwangsgefüttert indem man ihnen gewaltsam über ein Metallrohr gehaltvollen Futterbrei direkt in den Magen drückt. Die bei Gourmets beliebte "Foie gras" wird aus der durch diese Tortour entstandenen, auf das mehrfache einer normalen Geflügelleber angewachsenen Fettleber der gequälten Tiere hergestellt.
In Deutschland ist es zwar schon seit langem verboten, Tiere derartig zwangszufüttern, trotzdem kann jeder die so in Frankreich, Ungarn und Bulgarien hergestellten Produkte überall kaufen.

"Echte Nächstenliebe schließt auch unsere Mitgeschöpfe mit ein und jeder kann etwas für Tiere tun. Bewusstes Einkaufen und der gezielte Verzicht auf Tierqualprodukte ist bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung," so Herbert Lawo abschließend.

Karlsruhe, 21. Dezember 2011