Tiertransporte in Drittländer

Ca. 4 Millionen Tiere werden jährlich aus der EU in nicht-europäische Drittländer transportiert. Obwohl Europäische Tierschutzstandards für den Transport innerhalb und auch außerhalb Europas erfüllt sein sollten, kann dies in Wirklichkeit vielfach nicht gewährleistet werden.

Durch ein wachsendes Bewusstsein vieler Menschen für das Leid, das die Tiere für unseren Wohlstand erdulden müssen und durch das stetige Engagement vieler Tierschützer und Tierschutzvereine hat sich auf gesamteuropäischer Ebene die Situation für die Tiere auf den Tiertransporten zumindest stellenweise gebessert. Im Jahr 2007 trat eine EU-Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport in Kraft, die Tiertransporte erstmalig europaweit einheitlich regelte. Zwar hatten sich die europäischen Tierschützer „mehr“ von dem Gesetz erhofft, doch es wurden wieder nur Mindeststandards als kleinster gemeinsamer Nenner festgelegt, auf den sich alle Mitgliedsstaaten einigen konnten. Ein positives Beispiel aus der Verordnung ist, dass durch satellitengestützte Aufzeichnungen (GPS) der Route, der Fahrt-und Pausenzeiten und der Temperatur in den Transportern auch eine nachträgliche Überprüfung möglich ist. Zumindest auf dem Papier gibt es hierdurch eine Verbesserung für die Tiere. Da es für die GPS-Daten aber keine zentrale Erfassungsstelle gibt, ist es extrem schwierig, die Einhaltung der Transportvorgaben auszuwerten, um daraus Rückschlüsse für zukünftige Genehmigungsanträge zu ziehen. Ein weiteres Manko: gravierende tierschutzrelevante Verstöße gegen die Vorschriften können wegen fehlender Vorgaben in der deutschen Tiertransportverordnung nicht geahndet werden.

Langstreckentransport in Drittländer

Besonders kritisch ist die Situation, wenn auf Langstreckentransporten Tiere in Drittländer außerhalb der Europäischen Union gebracht werden, vielfach in Länder mit gänzlich anderer Auffassung zum Umgang mit und der Schlachtung von Tieren, sowie fehlenden Regelungen zum Tierschutz. Für Tiertransporte, die von Europa aus starten, hat der Europäische Gerichtshof im Jahr 2015 ein Urteil „pro Tier“ ausgesprochen und das Urteil 2017 nochmals bestätigt, nämlich dass „Der Schutz von Tieren beim Transport nicht an den Außengrenzen der Europäischen Union endet, sondern dass Europäisches Tierschutz- und Tiertransportrecht auch für den Transport außerhalb des Unionsgebietes gilt“. Dem vorausgegangen war ein Rechtsstreit zwischen einer Exportfirma und der Veterinärbehörde, die die Genehmigung versagt hatte, weil sie die Einhaltung von EU-Recht auch jenseits der Grenzen nicht gewährleistet sah. Denn spätestens ab dem Zeitpunkt, wo die Tiere auf dem Landweg eine EU-Grenze passieren oder vom GPS-erfassten Transporter im Hafen auf ein Transportschiff umgeladen werden, endet der Einflussbereich Europäischer Kontrollorgane und somit auch die Anwendbarkeit von EU-Recht.

Missstände in kontrollierten Tiertransportern

Die EU-Tiertransportverordnung verlangt Nachweise für die Eignung von Transportern und den Fahrern, sowie über eine realistische Transportplanung mit Pausen- und Entladungszeiten und den „transportfähigen Gesundheitszustand“ der Tiere. Nach dem Transport ist das Fahrtenbuch den Behörden vorzulegen. Über Langstreckentransporte, die in Deutschland starten, haben unsere Behörden somit einen umfassenden Überblick.

Nicht so bei Langstreckentransporten aus anderen Europäischen Ländern. Stichproben aus baden-württembergischen Polizeikontrollen von Tiertransportern, die vorwiegend aus Osteuropa stammen und Deutschland nur als „Transitland“ nutzen, belegen häufige Missstände: oft sind die Tiere viel zu dicht gedrängt, es befinden sich nicht transportfähige, kranke oder verletzte Tiere auf den Transportern, es fehlen Futter, Wasser oder die Lüftung ist defekt. Es gibt sogar Fälle, in welchen die Tiere gar nicht aufrecht stehen können, weil die Deckenhöhe zu niedrig ist.

Beim Landtransport kommt es außerdem immer wieder zu Staus, sowohl auf der Strecke, als vermehrt auch am „letzten Kontrollpunkt“ an den Außengrenzen der EU, wie zum Beispiel an der Grenze zur Türkei. In den stehenden Transportern wird die gemäß EU-Vorgaben zulässige Höchsttemperatur von 35°C vielfach überschritten Bislang gibt es keine Notfallpläne, wie mit Tiertransportern umzugehen ist, die die gesetzlichen Vorgaben nicht einhalten. Doch leider ist es noch immer „wirtschaftlicher“, lebende Tiere zu transportieren, als eine lückenlose Kühlkette für den Transport von Fleischwaren oder Reproduktionsmaterial einzurichten.

2013 wiesen 18 % der Transporter bei deutschlandweiten Kontrollen Mängel auf. Die Zahl der Transit-Kontrollen ist allerdings - verglichen mit den Kontrollen in Schlachthöfen - bundesweit verschwindend gering. Dabei legt die hohe Zahl der festgestellten Missstände bei durchfahrenden Tiertransportern nahe, dass Kontrollen „im rollenden Verkehr“ eigentlich häufiger und flächendeckender durchgeführt werden müssten, als es jetzt der Fall ist. Das allerdings ist personell schwierig, weil eine Kontrolle i.R. immer von Polizei und Veterinäramt gemeinsam durchgeführt werden muss. Um hier langfristig Veränderungen herbeizuführen, müssten wesentlich mehr Amtstierärzte eingestellt werden bzw. auch bei der Autobahnpolizei mehr Spezialisten mit entsprechender Zusatzausbildung im Einsatz sein.

Transportzeiten

Die EU-Gesetzgebung regelt, dass nach einer je Tierart festgelegten stundenlangen Transportzeit eine Ruhepause von mindestens 1 Stunde erfolgen muss, in der die Tiere auch gefüttert und getränkt werden. Dann geht die Fahrt weiter. Erst nach einer Transportdauer von bis zu 29 Stunden müssen die Tiere erstmals abgeladen werden, für eine Pause von 24 Stunden. Ist der Bestimmungsort noch nicht erreicht, geht es wieder auf den Transporter und diese Prozedur wiederholt sich … beliebig oft. Die Gesamtzeit der Transporte ist quasi unbegrenzt und dauert oft tagelang

Die EU-Verordnung ermöglicht den Mitgliedsstaaten die zeitliche Begrenzung der Transporte auf 8 Stunden – innerhalb des eigenen Landes.

Tierschützer sehen auch das schon kritisch und stellen schon seit Jahren die Forderung „Transport nur bis zum nächstgelegenen Schlachthof“, denn nur so kann man Schlachttieren zusätzliches Leid wirkungsvoll ersparen. Bislang leider ohne Erfolg.

Fazit

Das Ziel, die auf dem Papier beschlossenen Standards für Tiertransporte innerhalb der Europäischen Union umzusetzen, ist noch lange nicht erreicht. Daraus wird sehr deutlich, wie unrealistisch es ist, die Einhaltung europäischer Tierschutzstandards bei Tiertransporten über die Außengrenze der EU hinweg auch nur im Geringsten sicher stellen zu können.

Der Landestierschutzverband Baden Württemberg fordert daher - ebenso wie sein Bundesverband, der Deutsche Tierschutzbund e.V., ein sofortiges Verbot von Lebendtiertransporten in Staaten außerhalb der EU umzusetzen.

Tierschutzjugend

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Förderung der Jugendgruppenarbeit

Im Tierschutz gibt es immer viel zu tun und jede helfende Hand kann gebraucht werden. Besonders Kinder und Jugendliche haben oft ein großes Herz für Tiere und wollen helfen, dass es allen Tieren gut geht. Genau das können sie auch bei vielen Tierschutzvereinen machen. Zum Landestierschutzverband Baden Württemberg gehören mittlerweile über 100 Tierschutzvereine. Viele bieten für engagierte Kinder eine eigene Tierschutzjugendgruppe an in der die Kids lernen mit Tieren umzugehen und durch verschiedene Aktionen aktiv Tierschutz zu betreiben. So werden zum Beispiel gemeinsam verschiedenes Spielzeug und Beschäftigungsmaterialien für Tierheimtiere gebastelt, Nisthilfen gebaut, Wildtiere beobachtet, vegetarische Kochideen umgesetzt und auch aktiv im Tierheim bei der Arbeit mitgeholfen.

Der Landesverband unterstützt die verschiedenen Tierschutzjugendgruppen mit Zuschüssen für geplante Projekte, kindergerechten Broschüren und vielem mehr. Einmal im Jahr wird ein dreitägiges Treffen organisiert, an dem sich die Tierschutzjugendgruppen der Mitgliedsvereine treffen.

Auch erwachsene Tierschützer können mithelfen, denn es werden immer tatkräftige Betreuer gesucht. Für die Helfer bietet der Landesverband regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch und weiterbildende Seminare an. 

Zudem werden durch den/die Jugendvertreter im Vorstand des Landesverbands regelmäßige Treffen für die Jugendgruppenleiter organisiert, um den Ideenaustausch untereinander und den landesweiten Zusammenhalt zusätzlich anzuregen und voranzubringen. Die bisherige Resonanz hier ist sehr vielversprechend und soll weiter ausgebaut werden.

Flyer für die Tierschutzjugendgruppen

Bei einem solchen Jugendleitertreffen entstand auch die Idee der gemeinsam gestalteten Jugendgruppen-Flyer. Der Landestierschutzverband sponserte den interessierten Jugendgruppen der angeschlossenenen Tierschutzvereine eigene Flyer, in denen Sie sich und Ihre Gruppe vorstellen können.

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Tierschutzjugendtreffen 2018 in Konstanz

Tierschutzjugendtreffen 2018 - Artikel Stuttgarter Zeitung

Tierschutzjugendtreffen 2017 in Reutlingen

Tierschutzjugendtreffen 2016 in Karlsruhe

Tierschutzjugendtreffen 2015 in Freiburg/Emmendingen

Tierschutzjugendtreffen 2014 in Heilbronn

Tierschutzjugendtreffen 2013 in Pforzheim

 

Häufige rechtliche Fragen

Was kann ich tun, wenn ich glaube, dass ein Tier schlecht behandelt wird?

In akuten und dringenden Notfällen wenden sie sich sofort an die Polizei und das örtliche Veterinäramt Das Veterinäramt ist dafür zuständig, dass das Tierschutzgesetz eingehalten wird. Notieren sie ihre Beobachtungen und versuchen sie jemanden zu finden, der die Situation bezeugen kann. Zusätzliche "Beweisfotos"  haben sich oft auch als sehr hilfreich erwiesen. Anzeigen können auch anonym angenommen werden. Ansonsten können sie sich auch erst einmal an den örtlichen Tierschutzverein wenden und ihr Problem dort schildern. Tierschutzvereine oder auch wir beraten sie gerne weiter.

Was mache ich, wenn ich ein Tier gefunden habe?

Wenn sie ein Heimtier gefunden haben, kontaktieren sie die Polizei und/oder den örtlichen Tierschutzverein. Ist das Tier sichtbar verletzt, bringen Sie es bitte sofort zum Tierarzt. Keine Angst – sie müssen auch nicht für die Rechnung dort aufkommen. Tierheime nehmen Fundtiere in der Regel  sofort auf. Wenn das Tier gechipt und registriert ist, kann der Besitzer auch schnell ausfindig gemacht werden.

Wenn sie ein junges Wildtier gefunden haben, braucht dieses meist nicht ihre Hilfe. Beobachten sie, ob es wirklich alleine ist. Nur, wenn es stark abgemagert oder verletzt ist, sollten sie einen nahegelegenen Tierschutzverein benachrichtigen. Bei Tieren, die dem Jagdrecht unterliegen sollte dann der Jagdpächter informiert werden.

Was kann ich tun, wenn ich mein Tier vermisse?

Schon vorher wichtig :

Lassen Sie ihr Tier kennzeichnen (Chip oder Tätowierung) und registrieren. Die entsprechenden Haustierregistereintragungen (z.B. Deutsches Haustierregister) sind kostenlos und haben schon tausendfach geholfen das geliebte Tier h schnell wiederzubekommen.

Ist ihr Haustier weg, machen Sie eine Vermisstenanzeige bspw. beim  Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes. Dort kann ihnen bei der Suche geholfen werden. Außerdem sollten sie bei der Polizei, der Feuerwehr und den umliegenden Tierheimen nachfragen, ob ihr Tier dort abgegeben wurde. Des Weiteren kann es helfen, wenn sie  Suchanzeigen In der örtl. Zeitung und Gemeindeblättern aufgeben. Hängen sie außerdem die Blätter mit Beschreibung des Tieres, einem Foto und ihren Kontaktdaten und einer ausgewiesenen Belohnung in der Umgebung auf.

Nachbarschaftsstreit

Oft kommt es zu Nachbarschaftsstreit, weil ein Hund zu laut bellt oder die Katze in den Garten macht. Generell ist es rechtlich vorgeschrieben, dass Haustiere art- und verhaltensgerecht  gehalten werden müssen, aber auch so dass die Nachbarn davon nicht gestört werden.

Lärmbelästigung durch anhaltendes Bellen: Oft bellen und jaulen Hunde weil sie viel zu lange alleine gelassen werden. Vor allem wenn der Hundehalter in Vollzeit berufstätig ist und den Hund den ganzen Tag alleine in der Wohnung zurücklässt ist das keinesfalls tiergerecht. Falls sich ein Nachbar gestört fühlt kann er verlangen, dass die Störung, also das Bellen, eingestellt wird. Als Störung gilt ein durchgehendes zehn minütiges Bellen oder zusammengezählt 30 Minuten am Tag. Der Hundebesitzer muss dann auf jeden Fall auf das Bellen seines Hundes reagieren.

Belästigung durch eine Katze im Garten: Es ist rechtlich vorgeschrieben, dass Nachbarn es hinnehmen müssen, wenn eine fremde Katze durch ihren Garten läuft. Lediglich bei mehreren Katzen, die den Garten benutzen, kann der Nachbar von einer Störung sprechen, die er nicht hinnehmen muss. Wenn eindeutig ist welche Katze den Garten betritt und dort Kothaufen hinterlässt kann der Tierhalter aufgefordert werden die Störung zu unterbinden. Das kann auch gerichtlich durchgesetzt werden.

Besser ist allerdings bei allen Nachbarschaftsstreitigkeiten die Angelegenheit versöhnlich zu regeln. Ein Streit vor Gericht kann schnell zu großen Aggressionen bei den beteiligten Personen führen und es ist nicht mehr rückgängig zu machen, wenn die Auseinandersetzung auf dem Rücken der Tiere ausgetragen wird.

Mietverhältnisse

Ein pauschales Tierhaltungsverbot in einem Mietvertrag ist rechtsungültig.

Trotzdem  findet sich  in fast jedem Mietvertrag Regelungen, ob Haustiere gehalten werden dürfen oder nicht. Die Haltung von Kleintieren wie Hamster, Kaninchen, Schildkröten oder Ziervögel darf nicht verboten werden, solange nicht zu viele Tiere gehalten werden. Wichtig ist bei der Anschaffung neuer Tiere, dass das je nach Mietvertrag mit dem Vermieter abgesprochen wird. Ist das Halten von bestimmten Tieren in der Wohnung ausdrücklich  verboten, und steht das auch so begründet im vom Mieter unterschriebenen Mietvertrag,  kann ihm eine Kündigung drohen. Lediglich wenn der Vermieter das Halten des Tieres, trotz Verbots, drei Jahre geduldet hat, tritt das Verbot außer Kraft.

Was ist laut dem Tierschutzgesetz verboten?

Ein Tier darf nicht (ohne vernünftigen Grund )getötet werden.

Einem Tier dürfen keine Schmerzen zugefügt werden.

Ein Tier darf nicht zu einer Leistung gezwungen werden, wenn es körperlich dazu nicht in der Lage ist.

Ein Tier darf nicht ausgesetzt werden.

Ein Wildtier, das durch den Menschen aufgezogen wurde, darf nicht einfach „ausgewildert“ werden, wenn es nicht an die Lebensumstände in freier Natur gewöhnt ist.

Ein Tier darf nicht als Preis für einen Wettbewerb ausgeschrieben oder verlost werden.

Ein Tier darf nicht zur Futteraufnahme gezwungen werden.

Ein Tier darf nicht auf ein anderes Tier gehetzt werden.

Tierversuche

In Deutschland sind 2016 wieder rund 2 Millionen Tiere in Tierversuchen eingesetzt worden. Sie werden mit Krankheitserregern infiziert, ihre Köpfe mit Metallstangen fixiert, sie werden genetisch verändert, ihnen wird Gift gespritzt oder sie werden zerschnitten. Versuchstiere werden einerseits in der Grundlagenforschung verwendet aber auch bei der Entwicklung und Erprobung von neuen Medikamenten oder medizinischen Methoden sowie bei Giftigkeitsprüfungen und vorgeschriebenen Zulassungsverfahren von neuen Chemikalien und Substanzen jeglicher Art.

Baden-Württemberg ist trauriger Weise bei der Anzahl der verwendeten Versuchstiere pro Jahr im bundesweiten Vergleich wieder Spitzenreiter. Die letzten statistischen Zahlen der Bundesregierung von 2016 belegen es: mit 16,84 % des gesamtdeutschen Tierverbrauch bzw. 480.902 Tieren liegt Baden-Württemberg damit auf Rang eins der Negativliste.

Durchgeführt werden diese Versuche an Universitäten, Forschungslaboren oder bei Industrie- und  Pharmaunternehmen. Die  Tiere werden extra für diese Experimente gezüchtet, manche werden aber auch in freier Wildbahn gefangen und dann direkt ins Versuchslabor gebracht. Sie müssen ihr Leben in winzigen, sterilen Käfigen verbringen, haben kaum Beschäftigungsmöglichkeiten, werden im Tierversuch gequält und wenn sie nicht mehr gebraucht werden getötet.

Zu den „Forschungsobjekten“ - im Fachjargon redet man auch gerne von „Tiermaterial“ - zählen unter anderem Ratten, Mäuse, Kaninchen aber auch Schweine, Hunde und Affen.

2016 wurden  über 50 % der Tiere zur Grundlagenforschung verwendet und nur etwa 14 % der Tiere kamen  für die der Erforschung von Erkrankungen von Menschen und Tieren zum Einsatz. Etwa 26 %  der Tiere wiederum wurden deutschlandweit  bei der Herstellung oder Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten oder für toxikologische Sicherheitsprüfungen "verbraucht". Unter anderem werden auch bei Hunden solche vorgeschriebenen Verträglichkeitstests gemacht. Außerdem testen die Mitarbeiter in den Laboren neue Medikamente oder Operationsmethoden an den Vierbeinern.

2014 erregten die Affenversuche in der Stadt Tübingen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wie in vielen anderen Forschungseinrichtungen mit ähnlichem Versuchsaufbau wird auch am MPI Tübingen Grundlagenforschung betrieben. Im Gegensatz zur angewandten medizinischen Forschung und den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungsverfahren ist in der Grundlagenforschung  eine klinische Anwendung der Versuchsergebnisse  oftmals auf Jahrzehnte  hinaus nicht absehbar. Umso fragwürdiger sind diese Affenversuche:

In aufwendigen Operationen werden Ihnen Elektroden ins Hirn gepflanzt. Bewegungsunfähig werden die Tiere dann stundelang in einem „Primatenstuhl“ fixiert um die  Ableitungen der Hirnelektroden störungsfrei messen zu können. Um die  Tiere  für die  Versuche gefügig zu machen, gibt man ihnen tagelang nichts zu trinken. Erst im Versuch, wenn sie sich kooperativ verhalten, bekommen sie ein paar Tropfen Flüssigkeit, meist Fruchtsaft, der den Durst noch steigert. Mit der  von   Forschern     oftmals   behaupteten    „Freiwilligkeit“    und „Bereitschaft“ der Tiere, bei den Versuchen mitzumachen, hat all das nichts zu tun. Ist dieses schreckliche Leid der Tiere ohne erkennbaren Grund wirklich gerechtfertigt und ethisch vertretbar?

Neben den Affen sind  Mäuse und Ratten die bei weitem häufigsten Versuchstiere - und das nicht zuletzt auch, weil viele Frauen eitel sind und faltenfrei sein wollen. Das hochtoxische Nervengift Botox ist bei den Schönheitsbehandlungen mittlerweile überall im Einsatz. Wenn es unter die Haut gespritzt wird, kommt es zu Muskellähmungen und die Haut glättet sich.  Was dabei ignoriert wird: Für diesen Schönheitseingriff müssen Jahr für Jahr zahllose Tiere qualvoll sterben. Denn Botox wird nicht mit einer Maschine hergestellt, sondern im Labor von lebenden Bakterien. Der Gehalt von Botox schwankt in den produzierten Einheiten sehr stark. Deshalb muss jede Charge einzeln auf ihre Giftigkeit getestet werden. Um festzustellen wie viel Botox in einer Einheit ist, wird den Mäusen das Gift in den Bauch gespritzt. Die Tiere sterben dann langsam vor sich hin, leiden an Atemnot, Sehstörungen und Lähmungserscheinungen.

Auch für die Wissenschaft haben die Versuche oft nicht den gewünschten Erfolg, denn viele bei Tieren getestete Stoffe wirken beim Menschen dann doch ganz anders. Die Ergebnisse aus Tierversuchen sind schwer auf den Menschen zu übertragen. So traten schon bei vielen Medikamenten Nebenwirkungen auf, obwohl diese nach den Tierversuchen als verträglich beschrieben wurden. Auch der medizinische Fortschritt verzögert sich oft durch Tierversuche, weil die Forschung sich auf die Untersuchungen an Tieren konzentriert, statt sich am Menschen zu orientieren, bei denen die Wirkung eigentlich „wichtig“ ist.

Zudem gibt es schon längst Methoden, die eine viel genauere und schnellere Analyse von wissenschaftlichen Fragen ermöglichen – ohne Tierversuche! So kann problemlos fast jedes menschliche Körpergewebe nachgezüchtet werden, um daran Chemikalien zu testen. Die Ergebnisse liefern dann eine viel sicherere Auskunft über die Verträglichkeit eines Medikaments. Doch die Entwicklung derartiger Alternativmethoden zu Tierversuchen wird politisch und auch von den Wissenschaftlern selbst weltweit immer noch viel zu wenig anerkannt und gefördert. Hier muss in den Wissenschaftseinrichtungen endlich ein Umdenken stattfinden und - weg vom „Tiermodell“ - endlich die Forschung an alternativen Testmethoden mehr im Fokus stehen.

Zirkustiere

Würden Sie für Tierquälerei Geld bezahlen?

Viele tun das indem sie Zirkusveranstaltungen besuchen. Eigentlich soll im Zirkus eine Welt voller Spaß, Lachen und Kunststücken gezeigt werden. Was man wirklich sieht sind vollkommen abgestumpfte Tiere, die ein Leben führen müssen, das ihren Ansprüchen nicht gerecht wird.

Die Tiere brauchen Bewegung in der freien Natur, wollen jagen und ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen. Im Zirkus müssen sie durch brennende Reifen springen, auf Fahrrädern fahren oder alberne Kostüme tragen. Was nach außen lustig und ganz einfach wirkt ist in Wahrheit nichts anderes als Tierquälerei. Um die Tiere an den Punkt zu bekommen an dem sie nur machen was der Mensch von ihnen will muss der Mensch den Willen des Tieres brechen. Kein Tiger würde von sich aus, ohne vorheriges „Training“, auf zwei Beinen hüpfen oder durch einen brennenden Reif springen. Die Tiere werden oft schon als Jungtier von Menschenhand aufgezogen und im Training zu vollkommen artwidrigen Kunststückchen  gezwungen. Vor allem bei gefährlichen Großtieren geht das nur mit Bestrafung durch Schläge und Zwangsmaßnahmen, damit sie dem schwächeren Menschen auch Folge leisten.  Dass die Tiere bei dieser „Ausbildung“ Schmerzen erleiden ist den Zirkusleuten egal. In ihrer  Scheinwelt mit Glitzerkostümen und aufgesetztem Vergnügen zählt letztendlich nur der Profit.

Doch nicht nur die oft brutalen Ausbildungsmethoden quälen die Zirkustiere. Vor allem die Haltung ist für die meistens exotischen Wildtiere eine Zumutung. Elefanten werden nachts in ihren winzigen Zelten angekettet, dass sie nicht weglaufen können, Seelöwen müssen mit  kleinen Planschbecken vorlieb nehmen, statt die großen Meere zu durchqueren.

Fast alle Zirkustiere leiden so stark unter den Haltungsbedingungen, dass sie Verhaltensprobleme entwickeln.

Längst sind auch schon anerkannte Sachverständige, darunter Tierärzte und Ethologen, zu dem Fazit gekommen, dass eine artgerechte Haltung bestimmter Tierarten, wie beispielsweise Bären oder Affen im Zirkus nicht möglich ist und fordern ein Haltungsverbot.

Denn immer wieder werden selbst die vom Bundesverbraucherministerium festgelegten Mindestanforderungen für Zirkustiere nicht eingehalten. Wenn an vielen Gastspielorten aus Platzmangel oder Sicherheitsgründen die vorgeschriebenen Auslaufgehege nicht aufgebaut werden können, müssen die Tiere eben die ganze Zeit über  in ihrem engen Käfig- oder Stallwagen bleiben.

Nicht nur in den bekannten großen Zirkusunternehmen, sondern vor allem in den zahlreichen Kleinzirkussen kommt es immer wieder zu gravierenden Tierschutzproblemen. Das beginnt mit vernachlässigten und kranken Tieren, geht über einzeln gehaltene Elefanten, rein zu Showzwecken mitreisenden Bären oder Affen in völlig unzureichenden Käfigen oder Anhängern bis hin zum lukrativen Nebengeschäft mit Jungtieren aller Art. In der Spielzeit finden Vorführungen meist nur an den Wochenenden an ständig wechselnden Standorten statt - wo und wie die Tiere jeweils in der Zwischenzeit untergebracht und versorgt werden, entzieht sich den Kontrollen.

Aber selbst wenn die zuständigen Behördenvertreter bei besonders drastischen Missständen durchgreifen und Tiere wegnehmen wollen, müssen sie die Zirkusse in Ermangelung einer anderweitig geeigneten Unterbringung oft weiterziehen lassen.

Ein besonderes Problem stellen häufig kleinere Zirkusse dar, die am Rande des Existenzminimums stehen. Nicht nur, dass die Versorgung der Tiere hier oft nicht ausreichend gewährleistet ist, oft bleibt gegen Winter hin sogar der gesamte Zirkus einfach „liegen“. In Ermangelung eines Winterquartiers fällt die Versorgung des Familienbetriebs samt seiner Tiere dann über die Wintermonate in die Zuständigkeit der jeweils betroffenen Gemeinde.

Einige Städte versuchen sich inzwischen auf anderem Weg zu behelfen. Da das Tierschutzrecht hier anscheinend einem Papiertiger gleicht, berufen sich einzelne Städte nicht mehr nur auf die sich ständig wiederholenden tierschutzrelevanten Missstände, sondern zusätzlich auf die potentielle Gefahr für die Öffentlichkeit durch mitgeführte Wildtiere. Mit dieser Argumentation ist es schon einigen Städten gelungen, Zirkusunternehmen im Voraus zu verbieten, bestimmte Tierarten überhaupt mitzubringen.

Wichtig wäre aber, dass die Bundesregierung das Mitführen von Wildtieren endgültig verbietet.

Solange das nicht der Fall ist, können aber auch sie etwas tun: Besuchen sie keine Zirkusveranstaltungen mit Wildtieren, berichten sie Familie und Freunden von den Missständen und beschweren sie sich bei ihrem Bürgermeister und der Gemeinde, wenn Zirkusse mit Wildtieren in ihre Stadt kommen.

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