Tierschützer fordern ein Ende der Schweinerei

19.09.18 - Der Landestierschutzverband fordert Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf, sich im Bundesrat am 21.09.18 für ein Ende der betäubungslosen Kastration von Ferkeln einzusetzen.
Noch immer werden in Deutschland Millionen Ferkel in den ersten Lebenstagen ohne Betäubung die Hoden abgeschnitten. Obwohl seit Jahren der Ausstieg aus dieser Tierquälerei mit Beginn 2019 feststeht, wollen jetzt einige Bundesländer eine erneute Verlängerung erwirken.Schweine

In Baden-Württemberg wurden im Mai 2018 nach statistischem Landesamt über 1,7 Mio Schweine gehalten, davon über 640 000 Ferkel. Die meisten Ferkel erleben bereits in den ersten Lebenstagen die grausame Realität ihres Daseins: Damit sie sich in ihrem weiteren Leben aufgrund der nicht tiergerechten, engen Haltungssysteme nicht gegenseitig anfressen und verletzen können, wird ihnen ohne Betäubung oder Schmerzmittel der Schwanz drastisch gekürzt, die Eckzähne abgekniffen und den männlichen Ferkeln auch noch die Hoden abgeschnitten.
Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes meint dazu: „wer einmal gehört hat, wie die Neugeborenen bei diesen Amputationen, die sie bei vollem Bewusstsein miterleben müssen, schreien, der wird es so schnell nicht vergessen. Es ist wissenschaftlich längst erwiesen und wohl unbestritten, dass diese Prozedur für die frisch geborenen Tiere unerträglich schmerzhaft ist und ein traumatisches Erlebnis darstellt. Eigentlich sind solche Eingriffe nach Tierschutzgesetz grundsätzlich schon lange verboten. Es war folglich allerhöchste Zeit die bisherigen Ausnahmemöglichkeiten im Bereich der so genannten Nutztierhaltungen endlich zu streichen und auf Alternativen zu setzen. Andere Länder gehen hier schon lange mit gutem Beispiel voran“.
Umso erschreckender, dass jetzt am 21.09. erneut im Bundesrat darüber beraten werden soll, ob man nicht doch noch einmal Kompromisse eingehen will. Allen voran fordert Bayern erneut 5 Jahre Übergangszeit, was gleichbedeutend wäre mit weiteren 100 Mio Ferkeln, die in Deutschland aus rein wirtschaftlichen Gründen grausam leiden müssten.


Längst gibt es alternative Methoden, die sich in Nachbarländern oder weltweit schon seit Jahren bewährt haben.


Die Ebermast beispielsweise - also keine Kastration - ist zu fast 100 Prozent in Irland und England die Standardmethode und wird auch in Portugal, Spanien und Holland zu 80 % praktiziert.
Hier spielt der vielfach beschworene „Ebergeruch“ des Fleischs anscheinend keinerlei Rolle.
Doch selbst wenn Verbraucher sich an dem vermeintlichen Fehlgeruch stören, der sowieso nur bei ca. 3-10 Prozent der Eber auftaucht und über die Fütterung schon merklich reduziert werden kann, gibt es als weitere Methode die Immunokastration. Hier wird den Ebern über Injektion ein Antikörper gegen die Bildung des geruchsauslösenden Hormons gespritzt, eine Methode wie sie im Übrigen seit über 10 Jahren in Australien, Brasilien und Neuseeland üblich ist und die dort keinerlei Akzeptanzprobleme hat. Auch die Tierärzteschaft in Deutschland befürwortet diesen Weg und setzt sich für dessen Umsetzung ein.
„Es gibt also schon lange Alternativmethoden“ so Hitzler „eine weiter Verlängerungsphase des Tierleids ist somit inakzeptabel“. Mit einem Appell wendet sich Hitzler direkt an Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Tierschützer und Tierfreunde landesweit vertreten schon lange die Auffassung, dass es keinesfalls mehr zeitgemäß ist und den Werten unserer Gesellschaft entspricht, wenn Tiere verstümmelt werden müssen, um an die immer noch zulässigen - aber vielfach nicht tiergerechten - Haltungssysteme angepasst zu werden. Wir alle bitten Sie eindringlich, sich im Bundesrat dafür einzusetzen, dass es keine weitere Verlängerung der betäubungslosen Kastration für neugeborene männliche Ferkel mehr geben wird.“
Hitzler fügt weiter hinzu: „Auch der vielfach propagierte „4. Weg“ der lokalen Betäubung, indem der Landwirt selbst den Ferkeln vor der Kastration eine betäubende Injektion direkt in die Hoden spritzt, ist für Tierfreunde keine Option. Zu hoch ist hierbei die Gefahr, dass die Injektion nicht richtig gesetzt wird, mehrfach nachgespritzt werden muss und überdosiert wird bzw. umgekehrt das Verfahren - außer immensen Stress für das betroffene Tier - überhaupt keine Wirkung hat.“