Hochsommer, Hitze, jede Menge Festveranstaltungen und ... Tierleid

08.06.2017 - Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Sommerfeste und -veranstaltungen nur dann wirklich Spaß machen, wenn keine Tiere darunter leiden müssen.

Belustigungen auf Kosten von Tieren und deren Gesundheit sind inakzeptabel, Verlosungen von lebenden Tieren sogar gesetzlich verboten.

„Mit dem fragwürdigen Argument der Tradition finden auch hierzulande jedes Jahr viele Veranstaltungen statt, die Tierfreunde regelmäßig erschüttern,“ erklärt der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg e.V., Stefan Hitzler und nennt einige Beispiele seiner Kritik: “Beim Blutritt in Weingarten mit rund 2700 Pferden und 30 000 bis 40 000 Zuschauern verletzen sich regelmäßig Pferde. Letztes Jahr kam es sogar zu einem tödlichen Unfall, bei dem ein Pferd an Genickbruch starb. Und bei zahllosen Gemeinden stehen so genannte „Hammelläufe“, bei denen Schafe als Festmittelpunkt dazugehören und als Hauptgewinn ausgeschrieben werden, fest im Veranstaltungskalender. Anderenorts müssen beim „Schäferlauf“ ganze Herden zur Zuschauerbelustigung herhalten.“

Tierfreunde landauf landab stören sich vor allem daran, dass Schafe oder Ziegen für Festveranstaltungen aus ihrer Herde gerissen werden und dann ganztägig dem Festtumult ausgesetzt sind. Hochbelastend für das Einzeltier sind nicht nur die Trennung von der schützenden Herde und von Artgenossen, sondern oftmals auch die nicht tiergerechten Haltungsbedingungen während des Fests oder gar Umzugs. Besonders tierschutzrelevant wird es, wenn sie dann noch als Hauptgewinn an nicht sachkundige neue Besitzer gehen.

Verschärfend hinzu kommen zurzeit noch die teilweise extrem hohen Außentemperaturen. Im letzten Jahr beim Schäferlauf in Markgröningen bei über 35° C, sei es beispielsweise aus Sicht der Tierschützer nicht mehr vertretbar gewesen, die Schafe (und Hütehunde) dem Schaulauf unter der glühenden Sonne auszusetzen.

Die Tierschützer kritisieren ebenso viele Veranstaltungen der Kleintierzüchtervereine. Trotz hochsommerlicher Temperaturen werden im ganzen Land Kleintierausstellungen und Zuchtschauen durchgeführt, die aufgrund der Hitze und manchmal langer Anreisewege für die jeweiligen Tiere mitunter eine hohe gesundheitliche Gefährdung darstellen. Kaninchen beispielsweise fühlen sich schon bei Außentemperaturen von über 25°C nicht mehr wohl und auch Vögel sind bei Hitze nur begrenzt belastbar. Kommen dann noch Transportstress und die Belastung durch die Zuchtschau und zahllose Zuschauer hinzu, kann das sogar tödlich enden.

„Verantwortungsbewusste Kleintierzüchter verzichten aus Rücksicht auf die Gesundheit ihrer Tiere auf Zuchtschauen und -ausstellungen im Hochsommer.“ stellt Hitzler klar und ergänzt: “Ebenso wenig werben sie für ihre Festveranstaltungen, indem sie lebende Tiere als Hauptpreise bei Gewinnspielen anbieten, denn das ist verboten.“

Leider werden vielerorts Ferkel, Gänse, Kaninchen oder Hühner als Preise verlost, ohne darüber nachzudenken, ob die Gewinner ihren „Hauptgewinn“ zuhause überhaupt tiergerecht halten können.

Deshalb appelliert Hitzler auch an die für Tierschutz zuständigen Behörden hier keinesfalls zu kulant zu sein. „Gemäß § 3 Tierschutzgesetz ist es verboten, ein Tier als Preis oder Belohnung bei einem Wettbewerb, einer Verlosung, einem Preisausschreiben oder einer ähnlichen Veranstaltung auszuloben. Zudem gibt es klare Richtwerte für die Durchführung von Zuchtschauen und Tierausstellungen. Auch hier müssen Tierschutzvorgaben eingehalten und in erster Linie an das Wohl der Tiere gedacht werden.“