Lebendige Weihnachtsmärkte ja - aber ohne „Tierattraktionen“

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23.11.16 - Ob lebendige Krippentiere oder Reitponys, lauter Trubel und stetes Gedränge bedeuten für Tiere Dauerstress. Der Landestierschutzverband fordert Kommunen auf, lebende Krippentiere oder Ponyreitbahnen auf Weihnachtsmärkten nicht zuzulassen.

Dieser Tage werden in vielen Städten und Kommunen wieder die ersten Weihnachtsmärkte eröffnet. So manche Gemeinde setzt dabei auch auf lebendige Tiere als zusätzliche „Zugpferde“. Esel und Schafe müssen als lebende Krippentiere herhalten, Kleinpferde und Ponys trotten im Pony-Karussell endlose Runden hintereinander her.
Für Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, ein Unding: „Tiere haben auf dem Weihnachtsmarkt nichts verloren. Der ständige Trubel und Lärm, fehlende Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere, kaum Bewegungsspielraum, oft nasskalte und zugige Witterung, der harte Untergrund aus Asphalt oder Pflasterboden, gutgemeinte aber unkontrolliert falsche Fütterung durch die Besucher sind nur einige Beispiele, weshalb die Tiere dort massivem Leid ausgesetzt sind.“ Gleichzeitig appelliert Lawo eindringlich an alle Tierhalter, keinesfalls ihre Tiere für derartige Zurschaustellungen zur Verfügung zu stellen - auch nicht für nur wenige Tage.Weihnachtsmarkt1
Sein Fazit: „Echte Tierfreunde sprechen sich gegen lebendige Krippen aus. Sie boykottieren Ponyreitbahnen und erklären ihren Kindern, dass dies keinesfalls ein tiergerechter Umgang mit den Tieren ist.“.

Leider gehören Krippendarstellungen mit echten Schafen, Eseln und sogar Rindern noch immer auf einigen Weihnachtsmärkten im Land zu den traditionellen Attraktionen, um damit vor allem Familien mit Kindern anzulocken. Nicht nur, dass die Tiere dem Weihnachtstrubel um sie herum ständig ausgesetzt sind, sie in den kleinen Ställen oder oft zugigen und feuchtkalten Gattern unter notorischem Bewegungsmangel leiden und kaum Möglichkeiten haben, sich an ein ruhiges Plätzchen zurückzuziehen, sie werden meist auch noch von den Besuchern mit allem möglichen und unmöglichen gefüttert. So manch ein Krippentier hat deswegen das Weihnachtsfest nicht überlebt und ist aufgrund falscher Fütterung an einer Kolik qualvoll verendet.

Aber auch Ponyreitbahnen sind auf Weihnachtsmärkten noch ab und zu zu finden. Wie auf dem Jahrmarkt müssen völlig apathisch wirkende Ponys und Kleinpferde - z.T. aneinandergebunden - stundenlang stereotyp im Kreis herum laufen oder stehen kurz angebunden mitten im Trubel. Ständig neue Reiter, die ewig gleiche Bewegungsrichtung in zum Teil winzigen Arenen mit hartem Boden führen oft zu schmerzhaften Gesundheitsproblemen bei den Ponys. Freier Auslauf auf der Weide - Fehlanzeige. Als Stall dient der Transportwagen. Eine artgerechte Ponyhaltung sieht vollkommen anders aus - hier geht es allein um’s Geschäft, wortwörtlich „ausgetragen, auf dem Rücken der Tiere“. Nicht zuletzt aus diesen Gründen lehnt der Landestierschutzverband solche „Ponykarussells“ als tierschutzwidrig ab.

Der landesweit größte Tierschutzverband sieht hier vor allem auch die zuständigen kommunalen Ordnungs- und Veterinärbehörden in der Pflicht: Sie sollten aus Tierschutzgründen „lebendigen Krippen“ und Ponyreitbahnen grundsätzlich eine Absage erteilen.