Jahreshauptversammlung des Landestierschutzverbandes in Reutlingen

23.04.2016 - Landestierschutzverband gewährt erneut finanzielle Unterstützung an Vereine für Katzenkastrationen – Stuttgarter Ministerium klinkt sich in den Kampf gegen das Katzenelend ein und verdoppelt diesen Betrag
Auch Verbandsklage und Jagd- und Wildtiermanagementgesetz waren Themen  

Am vergangenen Samstag fand in Reutlingen die diesjährige Mitgliederversammlung des Landestierschutzverbandes statt. Der Verbandsvorsitzende Herbert Lawo eröffnete die Veranstaltung vor ca. 70 anwesenden Mitgliedern mit einem ausführlichen Geschäftsbericht, der von der Jugendbeauftragten Erika Schwarz durch eine umfangreiche Darstellung der Jugendarbeit des Verbands ergänzt wurde.
Für die inzwischen 115 Mitgliedsvereine besonders erfreulich: Auch in den kommenden beiden Jahren wird der Landesverband ihnen wieder je 30 000 Euro für die Kastration von freilebenden Katzen zur Verfügung stellen.JHV2016-1

Seit 2012 konnten die Tierschutzvereine im Landesverband inzwischen insgesamt ca. 190 000 Euro für Katzenkastrationsaktionen abrufen.  Unmittelbar vor dieser Hauptversammlung sagte der Amtschef des Ministeriums für Ländlichen Raum und Ernährung Ministerialdirektor Wolfgang Reimer zu, dieses Hilfsangebot des größten Tierschutzverbandes Baden-Württembergs mit der jeweils gleichen Summe zu fördern.

Als Ergebnis und Erfolg verschiedener Initiativen und vieler Gespräche anerkennt das in Stuttgart für den Tierschutz zuständige Ministerium so die Notwendigkeit dieser Vereins Initiativen und unterstützt die landesweiten Kastrationsaktionen. 
Weitere Schwerpunkte der Verbandstätigkeiten lagen im vergangenen Jahr neben Weiterbildungsangeboten für die haupt- und ehrenamtlichen Tierschützer vor allem auch bei der Tierheimberatung zu deren Ausbau und Sanierung sowie der Hilfe bei Verhandlungen mit den Kommunen.

In seinem Geschäftsbericht ging der Vorsitzende Herbert Lawo insbesondere auch auf die tierschutzpolitischen Ereignisse des vergangenen Jahres ein. Im Mai vergangenen Jahres wurde das lange geforderte und ersehnte Verbandsklagerecht als Tierschutzmitwirkungs- und Verbandsklagegesetz verabschiedet. Endlich war somit die Voraussetzung geschaffen, dass Tierschützer als Vertreter der Tierinteressen den Tiernutzern in einer Reihe von Belangen einigermaßen auf Augenhöhe begegnen könnten. „Wenige Tage nach der Landtagswahl wurde für dieses Gesetz der Entwurf einer Durchführungsverordnung an die Verbände gegeben. Diese DVO engt die Möglichkeiten, die das Gesetz eigentlich eröffnete, so ein, dass die Errungenschaften des Gesetzes durch die Hintertür praktisch wieder einkassiert würden. Wenn diese Verordnung so in Kraft tritt, ist das für uns Tierschützer ein Vertrauensbruch und absolut nicht akzeptabel“, fasste Lawo die Enttäuschung der baden-württembergischen Tierschützer aus den unterschiedlichsten Organisationen zusammen.JHV2016-2

Auch eine weitere Errungenschaft sehen sowohl Tier- als  auch Naturschützer in Gefahr. „Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland das Jagdgesetz hin zu einem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz reformiert und dort neben weitgehenden Naturschutzinteressen immerhin ein paar der langjährigen Tierschutzforderungen aufgenommen, beispielsweise das faktische Abschussverbot für Hunde und Katzen, das Aus für Totschlag- und Fuchswelpenfallen sowie eine zweimonatige Jagdruhe für alle Tiere im Wald.“, erläuterte Lawo. Mit großer Sorge betrachten die Tierschützer die derzeitigen Versuche der Jäger, insbesondere die CDU-Abgeordneten dahingehend zu beeinflussen, wesentliche Errungenschaften dieses Gesetzes im Rahmen der Koalitionsvereinbarungen wieder zu kippen. Die Tierschützer appellieren an die Verhandlungsparteien, diesem zukunftsweisenden Gesetz die Chance zu lassen und nicht wieder ins letzte Jahrtausend zurück zu fallen.

Dr.-C.-Jäger-2Für den Nachmittag hatte der Landestierschutzverband in Person der Landestierschutzbeauftragten Dr. Cornelie Jäger eine stets willkommene Referentin eingeladen. Frau Dr. Jäger belegte in einem Rückblick auf das jetzt 4-jährige Jubiläum der Stabsstelle der Landestierschutzbeauftragten die Wichtigkeit und die Bedeutung dieser Institution. Mit dieser Stelle ist es gelungen, die ehrenamtliche und im Verein geleistete  Tierschutzarbeit in Baden-Württemberg enger mit dem politischen und verwaltungsmäßigen Tierschutz zu verbinden. Dr. Jäger nannte unzählige Initiativen ihres Amtes und berichtete von sehr vielen direkten Kontakten zur Bevölkerung in unterschiedlichsten Tierschutzangelegenheiten.

 „Die Stabsstelle hat sich dafür eingesetzt, Türen zu öffnen und Ideen und Kräfte zu bündeln. Die Zusammenarbeit zwischen uns und den Tierschutzorganisationen hat dazu geführt, dass zielgerichteter und effizienter an gemeinsamen Themen gearbeitet und mehr erreicht werden konnte“, fasste Dr. Jäger zusammen und dankte dem Landestierschutzverband für die stets sehr engagierte und konstruktive Zusammenarbeit.

Gespannt waren die Teilnehmer natürlich insbesondere auch auf die Erwartungen, die Dr. Jäger für die neue Legislaturperiode an die neue Regierungskonstellation hat. Sie gab – soweit überhaupt möglich – Einblick in die tierschutzpolitischen Streitthemen und äußerte selbst ihre Einschätzung über die aus ihrer Sicht möglichen Ergebnisse. „Es ist mir persönlich und der Einrichtung der Stabsstelle der Landestierschutzbeauftragten ein unbedingtes Anliegen, Tierschutz in Baden-Württemberg nicht mehr zurück zu drehen, sondern das Erreichte als Basis zu nehmen, diesen zukunftsfähig weiter zu entwickeln“, legte sich Dr. Jäger fest. „Mir ist dabei wichtig zu verdeutlichen, dass Tierschutz alle Tierarten betrifft und nicht teilbar ist.“

In einer abschließenden Diskussion mit den Teilnehmern aus den Vereinsvorständen wurden künftige Arbeitsthemen und mögliche Schwerpunkte in der Zusammenarbeit der kommenden Jahre diskutiert und vereinbart.