Weihnachtsprofit mit Tierleid

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18.12.2015 - Skrupellose Tierhändler nutzen Weihnachten, um zusätzlichen Umsatz mit dem Leid von Tieren zu machen.Der Landestierschutzverband appelliert: Kaufen Sie keine lebendigen Tiere als Weihnachtsgeschenke

Vor allem in Grenznähe zu Osteuropa werden das ganze Jahr über immer wieder illegale Welpentransporte auffällig. Aber gerade jetzt - kurz vor Weihnachten - häufen sich die Vorfälle dramatisch. Erst in der vergangenen Woche mussten in Bayern nahe der österreichischen Grenze über 200 Hundewelpen sichergestellt und zur tierärztlichen Behandlung und weiteren Versorgung in die umliegenden Tierheime gebracht werden.

Das skrupellose Geschäft mit Hunden, vor allem aus Osteuropa, boomt nach wie vor - und nur ein verschwindend geringer Teil der Tierimporte wird überhaupt kontrolliert. Mehr oder weniger zufällig fallen der Autobahnpolizei bei den Routineeinsätzen vor allem in Grenznähe regelmäßig auch illegale Welpentransporte in die Hände. Meist sind die unauffälligen Kleintransporter vollgestopft mit Welpen, die viel zu früh von Ihren Müttern und Wurfgeschwistern getrennt wurden. Neben der viel zu hohen Ladedichte sind die erforderlichen Begleitpapiere häufig gefälscht und vorgeschriebene Impfungen nicht erfolgt. Oft müssen dann kranke und stark geschwächte Jungtiere sichergestellt und schnellstmöglich notversorgt werden.Welpe

Das offensichtlich lukrative Geschäft mit den jungen Hunden hat eine noch hässlichere Basis: das unsägliche Leid der Zuchthündinnen in den Ursprungsländern, die vielfach über Jahre hinweg in dunklen, dreckigen Löchern gehalten und als "Gebärmaschinen" missbraucht werden.

Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes appelliert deshalb gerade kurz vor Weihnachten eindringlich: „Bitte keine Tiere als Weihnachtsgeschenke! Und erst recht keine „Rasse-Schnäppchen“ über unseriöse Internet- oder Zeitungsinserate. Mit jedem Kauf eines solchen Tieres wird die tierquälerische Industrie, die dahinter steckt, noch zusätzlich angekurbelt. Meist sind diese Billig-Welpen anfällig und krank, und es folgen hohe Tierarztkosten. In vielen Fällen sterben die Kleinen trotzdem.“

Lawo erklärt weiter: “Tiere sollten grundsätzlich nie spontan und unbedacht angeschafft oder verschenkt werden. Jedes Tier ist ein einzigartiges Lebewesen mit lebenslang anhaltenden Bedürfnissen, denen man über die Dauer des gesamten Tierlebens hinweg jeden Tag aufs Neue gerecht werden muss. Wer Tiere hält, trägt somit eine große Verantwortung und sollte sich dessen unbedingt bewusst sein.“

Aus jahrelanger Erfahrung weiß der Verbandsvorsitzende, dass tierische Weihnachtsgeschenke oft kurze Zeit nach dem Fest in Tierheimen abgegeben werden. Denn die lebendigen Wesen sind eben keine Kuschelbärchen, die man - sobald sie langweilig werden - in einer Ecke abstellen und vergessen kann. Echte Tiere beanspruchen viel Zeit, wollen tagtägliche Aufmerksamkeit,  Beschäftigung und Auslauf. Sie benötigen Futter und Pflege und das kostet nicht zuletzt regelmäßig auch Geld. Zudem sind sie eigenwillig: Der neue Mitbewohner bellt, zwickt vielleicht oder kratzt die Kinder, zerstört womöglich Möbel oder frisst sogar den Teppich und die Tapeten an. Spätestens wenn der Weihnachtsurlaub zu Ende ist und der Alltag einkehrt, wird vielen die zusätzliche Arbeit zu viel und die tierischen Geschenke landen im Tierheim. Andere - vor allem Kleintiere - fristen häufig ein trostloses weiteres Dasein, dauerhaft weggesperrt in Kellern, Garagen, Gärten und Kinderzimmern.

Keine Spontankäufe - die Anschaffung eines Haustieres muss gut durchdacht und vorbereitet sein.

Der erste Schritt ist die ausführliche Information über die genauen Bedürfnisse und Haltungsvoraussetzungen der jeweiligen Tierart. Ebenfalls im Voraus muss sichergestellt sein, dass keine Tierallergien vorliegen, ggf. Mietvereinbarungen nicht dagegen sprechen und natürlich die Aufgabenverteilung abgeklärt wird. Wer geht bspw. tagtäglich bei Wind und Wetter mit dem Hund spazieren, wer springt ersatzweise ein, wer übernimmt die Tierpflege im Krankheitsfall oder wenn der Familienurlaub ansteht und wer übernimmt Tierarzt-, Versicherungs-, Futter- und sonstige Kosten?

„Tiere sind lebende und fühlende Wesen, die man keinesfalls spontan kaufen oder verschenken darf. Unsere Tierheime informieren und beraten Sie dazu gerne,“ so Herbert Lawo und empfiehlt statt tierischer Überraschungen lieber Fachbücher zur entsprechenden Tierhaltung sowie einen Beratungsbesuch im örtlichen Tierheim zu verschenken oder auch eine Patenschaft für ein dort lebendes Tier.