Weihnachtsmärkte - kein Platz für Tiere

24.11.2015 - Auf Weihnachtsmärkten haben lebende Tierattraktionen nichts verloren.
Ob lebendige Krippentiere oder Reitponys, der Trubel und das Gedränge bedeuten für Tiere Dauerstress. Der Landestierschutzverband fordert Kommunen auf, lebende Krippentiere oder Ponyreitbahnen nicht zuzulassen.

Am kommenden Wochenende werden in vielen Städten und Kommunen bereits die ersten Weihnachtsmärkte offiziell eröffnet. So manche Gemeinde setzt dabei auch auf lebendige Tiere als zusätzliches „Zugpferd“. Esel und Schafe müssen als lebende Krippentiere herhalten, Kleinpferde und Ponys trotten im Pony-Karussell endlose Runden hintereinander her.
Für Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes ein Unding: „Tiere haben auf dem Weihnachtsmarkt nichts verloren. Der ständige Trubel und Lärm, fehlende Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere, kaum Bewegungsspielraum, der harte Untergrund aus Asphalt oder Pflasterboden, gutgemeinte aber vollkommen falsche Fütterung über die Besucher sind nur einige Beispiele, wieso die Tier dort massiv leiden.“ Sein Fazit: „Echte Tierfreunde sprechen sich gegen lebendige Krippen aus. Sie boykottieren Ponyreitbahnen und erklären ihren Kindern, dass dies keinesfalls ein tiergerechter Umgang mit den Tieren ist.“weihnachtsmarkttiere

Leider gehören Krippendarstellungen mit echten Schafen, Eseln und sogar Rindern noch immer auf einigen Weihnachtsmärkten im Land zu den traditionellen Attraktionen, um damit vor allem Familien mit Kindern anzulocken. Nicht nur, dass die Tiere dem Weihnachtstrubel um sie herum ständig ausgesetzt sind, sie in den kleinen Ställen oder oft zugigen und feuchtkalten Gattern unter notorischem Bewegungsmangel leiden und kaum Möglichkeiten haben, sich an ein ruhiges Plätzchen zurückzuziehen, sie werden meist auch noch von den Besuchern mit allem möglichen und unmöglichen gefüttert. So manch ein Krippentier hat deswegen das Weihnachtsfest nicht überlebt und ist aufgrund falscher Fütterung an einer Kolik qualvoll verendet.

Ein besonderer Dorn im Auge sind dem Tierfreund „lebendige Krippen“, die mit der „Live-Geburt“ von Lämmern versuchen zusätzliches Publikum anzulocken. „Wir sehen darin einen klaren Verstoß gegen § 2 des Tierschutzgesetzes, welches Tierhalter dazu verpflichtet, seine Tiere verhaltensgerecht unterzubringen. Gerade kurz vor der Geburt brauchen Mutterschafe Ruhe, eine vertraute Umgebung und eine Möglichkeit sich zurückzuziehen. Dies ist auf einem Weihnachtsmarkt unmöglich, eine Schafsgeburt dort muss folglich behördlicherseits verboten werden.“ so Lawo. Darüber hinaus appelliert er eindringlich an alle Tierhalter, keinesfalls ihre Tiere für derartige Zurschaustellungen zur Verfügung zu stellen - nicht einmal für nur wenige Tage.Ponyreitbahn-Weihnachtsmark

Aber auch Ponyreitbahnen sind auf Weihnachtsmärkten ab und zu zu finden. Wie auf dem Jahrmarkt müssen völlig apathisch wirkende Ponys und Kleinpferde - z.T. aneinandergebunden - stundenlang stereotyp im Kreis herum laufen oder stehen kurz angebunden mitten im Trubel. Ständig neue Reiter, die ewig gleiche Bewegungsrichtung in zum Teil winzigen Arenen mit hartem Boden führen oft zu massiven Gesundheitsproblemen bei den Ponys. Freier Auslauf auf der Weide - Fehlanzeige. Der Stall ist der Transportwagen. Eine artgerechte Ponyhaltung sieht vollkommen anders aus - hier geht es allein um’s Geschäft, wortwörtlich „ausgetragen, auf dem Rücken der Tiere“. Nicht zuletzt aus diesen Gründen lehnt der Landestierschutzverband solche „Ponykarussells“ als tierschutzwidrig ab.

Der landesweit größte Tierschutzverband sieht hier vor allem auch die zuständigen kommunalen Ordnungs- und Veterinärbehörden in der Pflicht: sie sollten aus Tierschutzgründen „lebendigen Krippen“ und Ponyreitbahnen grundsätzlich eine Absage erteilen.