Aussagen zu Tübinger Affenversuchen nicht haltbar: Deutscher Tierschutzbund fordert Baden-Württembergs Politiker zum Handeln auf

logo dtsb   logo-LTV-kl  28.07.2015 - Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Baden-Württemberg kritisieren unwahre und sich widersprechende Aussagen des Tübinger Max-Planck-Instituts (MPI) für biologische Kybernetik und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die in der intensiven medialen Berichterstattung über die dort stattfindenden Primatenversuche vielfach ungeprüft kommuniziert wurden. Mit einer Stellungnahme fordert der Deutsche Tierschutzbund Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sowie den Minister für Verbraucherschutz, Alexander Bonde, und die Ministerin für Wissenschaft und Forschung, Theresia Bauer, auf, die noch immer stattfindenden Experimente erneut zu prüfen.

„Unsere Gegenüberstellung lässt starke Zweifel daran aufkommen, dass die Voraussetzungen für eine Genehmigung und Durchführung dieser Versuche überhaupt gegeben sind“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Zahlreiche Aussagen des MPI und der MPG sind nach objektiven Maßstäben nicht haltbar, sondern dienen offensichtlich nur dazu, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Wir fordern die verantwortlichen Politiker auf, schnell zu handeln und die grausamen Qualen der Tübinger Affen endlich zu beenden.“ Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Baden-Württemberg, ergänzt: „Wir brauchen dringend eine ausgewogene Debatte über die Sinnhaftigkeit und ethische Vertretbarkeit von Primatenversuchen. Es ist an der Zeit, die veralteten und umstrittenen Verfahren durch moderne tierversuchsfreie Methoden zu ersetzen und verstärkt Fördergelder in die Entwicklung von Alternativen zu investieren.“

Max-Planck-Institut Tübingen verstrickt sich in Widersprüche

Hinsichtlich der Affenversuche verstricken sich MPI und MPG immer wieder in Widersprüche. Während das Institut etwa zunächst noch bestritt, dass die Affen gegen ihren Willen und auf keinen Fall unter Narkose in den Versuchsstuhl gesperrt würden, hieß es nach heimlich gefilmten Aufnahmen, die das Gegenteil bewiesen, dass die Tiere nur deshalb narkotisiert seien, um den Stuhl korrekt einzustellen. Die Videoaufnahmen zeigen jedoch deutlich, wie sedierte Tiere im Primatenstuhl aufwachen und sich lange Zeit panisch darin winden, ohne dass Einstellungen vorgenommen werden. Auch dass die Tiere unter ständigem Durst leiden, um sie für die Mitarbeit in den Versuchen gefügig zu machen, bestreitet das MPI. Tatsächlich belegen aber interne Dokumente, dass die Tiere erst dann ein paar Tropfen Flüssigkeit erhalten, wenn sie sich kooperativ verhalten. Außerhalb der Versuche deckt die Flüssigkeitsmenge gerade den lebensnotwendigen Bedarf. Von der von Forschern oftmals behaupteten „Freiwilligkeit“ und „Bereitschaft“ der Tiere, bei den Versuchen mitzumachen, kann keine Rede sein.

Grundlagenforschung meist ohne absehbaren Anwendungsbezug

Wissenschaftlich gesehen handelt es sich bei den Tübinger Affenversuchen um reine Grundlagenforschung ohne direkten Anwendungsbezug. Es werden biologische Grundlagen der Wahrnehmung untersucht. Eine klinische Anwendung der Versuchsergebnisse ist auf Jahrzehnte hinaus nicht absehbar. Ein Nutzen der Ergebnisse für die Heilung menschlicher Krankheiten wie z. B. Alzheimer oder Parkinson ist fragwürdig. Der Deutsche Tierschutzbund fordert darum, neben ethischen auch aus wissenschaftlichen Gründen, eine Neuausrichtung hin zu einer modernen, tierversuchsfreien Forschung. Diese würde Mensch und Tier gleichermaßen zugute kommen – durch besser auf den Menschen übertragbare Forschungsergebnisse und Verzicht auf die Verwendung von Tieren als Messinstrumente.

 

Hintergrund: Affenleid in Tübingen (DTSchB)