Qualvoller Tod durch Mähmaschinen

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10.06.2015 - Unzählige Wildtiere sterben alljährlich auf qualvolle Weise durch Mähmaschinen. Statt zu flüchten verfallen sie in eine Schreckstarre und werden von den Maschinen gnadenlos zerstückelt oder unheilbar verletzt. Doch es gibt viele Möglichkeiten die Tiere zu schützen.

Die Zahl der beim Mähen getöteten oder schwerst verletzten Wildtiere wie Rehe, Feldhasen und Bodenbrüter ist nach wie vor abartig hoch. Schätzungen zufolge werden jährlich in Deutschland über 100 000 Rehe durch Mähmaschinen schwer verstümmelt oder getötet. Der Grund: Während der Mähzeit bringen Rehe und andere Tiere ihre Jungen zur Welt. Das hohe Gras soll die Kleinen eigentlich schützen. Doch statt bei anrückenden Mähmaschinen zu flüchten, drücken sich die Jungtiere bei drohender Gefahr instinktiv reglos auf den Boden – selbst, wenn die rotierenden Messer schon in unmittelbarer Nähe sind. Dieser angeborene Schutzreflex, der ihnen normalerweise das Leben rettet, bedeutet hier jedoch den sicheren Tod – oder die lebenslängliche Verstümmelung. Dabei werden die Tiere in der Regel nicht gleich getötet, sondern aufgeschlitzt und schwerst verletzt, so dass sie langsam und qualvoll sterben.Kitztod-2

Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes stellt klar, dass Landwirte, die das Sterben der Wildtiere mutwillig in Kauf nehmen, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Laut Tierschutzgesetz und verschiedener Gerichtsurteile sind die Landwirte und Lohnunternehmer verpflichtet, gefährdete Flächen vor dem Mähen nach Wildtieren abzusuchen, doch nur selten sieht man Landwirte, die das wirklich tun. Dabei drohen Landwirten, die wissentlich beim Mähen Rehkitze verstümmeln oder töten, hohe Geldstrafen, das wurde bereits durch mehrere Gerichte bestätigt.

Ein aktuelles „Wildretterforschungsprojekt“ des BMEL sucht schon länger nach einer Lösung für das Problem: Eine Drohne überfliegt das zu mähende Feld und erkennt die Tiere mit einem Infrarotsensor. Dann bekommen die Tiere einen Chip ins Ohr. Während der Mahd erhält der Bauer eine Warnung und das Tier kann gerettet werden. Nach der Mahd wird es wieder ausgesetzt, so, dass die Mutter ihr Kleines wiederfinden kann. Das Projekt wird zurzeit in Baden Württemberg und Bayern getestet. Doch das System ist noch lange nicht praxistauglich.

Lawo mahnt deshalb eindringlich: „Nicht nur eine Drohne kann die Jungtiere schützen. Für jeden Landwirt sollte es selbstverständlich sein, die Wiesen unmittelbar vor dem Mähen nach jungen Wildtieren abzusuchen. Mit Hilfe von Infrarotsensoren sind die Tiere leicht aufzuspüren. Auch pragmatischere Methoden wie Schutzvorrichtungen an den Maschinen oder das Anbringen von abschreckenden Flatterbändern am Vortag sind eine gute Schutzmöglichkeit.“

Selbst während der Mahd können die jungen Tiere noch gerettet werden:
„Laute Geräusche und speziell entwickelte Sirenen treiben Wildtiere aus dem hohen Gras. Um die Flucht von Tieren auch noch beim Mähen zu ermöglichen, empfiehlt sich außerdem, die Grünfläche unbedingt von innen nach außen abzumähen. Brutareale sollten dabei verschont werden und im Interesse des Tier- und Artenschutzes zumindest eine schützende Grasinsel stehen bleiben“, erklärt Herbert Lawo.

Doch nicht nur dem Tier- und Artenschutz wäre so gedient, auch im eigenen Interesse sollten Landwirte beim Mähen vorsichtiger vorgehen und Rücksicht nehmen. Denn wenn Überreste von Tieren in das Futter gelangen, können sich unter Sauerstoffabschluss im Silo gefährliche Erreger ausbreiten. Die von diesen Bakterien produzierten Botulinum-Toxine gehören zu den stärksten Giften der Natur. Tiere, die mit derartig verseuchter Silage gefüttert werden, erkranken an Botulismus - was zumeist tödlich endet.