„Exzellente“ Tierquälerei - die Affenversuche am MPI Tübingen sind nicht nur für Tierschützer und Tierfreunde inakzeptabel

12.02.15 - Der Landestierschutzverband BW sieht in den Affenversuchen am MPI in Tübingen einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und einen Affront gegen allgemein gesellschaftlich anerkannte Werte. Statt ständig mehr Fördergelder in Tierversuche zu investieren, müsste der Forschungsbereich für Tierversuchsalternativen endlich massiv ausgebaut und gestärkt werden.

Jüngste Zahlen belegen es: Baden-Württemberg liegt im Bereich Tierversuche im bundesweiten Vergleich traurigerweise weiterhin mit an der Spitze. Demnach wurden allein 2013 an öffentlichen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen im Land mehr als 495 300 Tiere für Versuche zu wissenschaftliche Zwecke verwendet oder getötet, 37 Tiere davon waren Affen.
Wie die Grundlagenforschung an Affen am MPI in Tübingen hinter verschlossenen Türen aussieht, dokumentierten erst vor kurzem under-cover-Aufnahmen: grausame Bilder von blutigen Kopfwunden, sich erbrechenden Affen und Misshandlungen. Anhaltende Proteste aufgebrachter Bürger waren deutschlandweit die Folge. Der Deutsche Tierschutzbund und der Landestierschutzverband erstatteten umgehend Strafanzeige wegen des Verdachts der Tierquälerei und forderten erneut ein völliges Umdenken beim Thema Tierversuche verbunden mit dem Verbot solcher grausamen Affenversuche. img 3492

Auch auf politischer Ebene wurden entsprechende Reaktionen erwartet. Doch die zuständige Wissenschaftsministerin Bauer stellt sich demonstrativ vor die betreffenden Wissenschaftler, betont ungerührt von den schrecklichen Bildern aus dem MPI den Exzellenzstatus der Universität Tübingen, die Unverzichtbarkeit von Tierversuchen und wiederholt gebetsmühlenhaft das allgemeine Totschlagargument „es gehe letztendlich um den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg und Deutschland“.

Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes kann dazu nur fassungslos den Kopf schütteln: „Diese Affenversuche am MPI dienen keinem unerlässlichen klinischem Zweck, sondern sind reine Grundlagenforschung, die nicht auf die direkte Entwicklung von Therapien abzielt. Dieser Tierquälerei, die bislang keine belegbaren Erfolge hervorgebracht hat, endlich Einhalt zu gebieten, würde die Wirtschaft hier sicherlich nicht zum Erliegen bringen. Im Gegenteil, es wäre endlich das langerwartete Signal, dass den gesellschaftlichen Werten der heutigen Zeit langsam Rechnung getragen wird. Nicht zuletzt könnte sich dadurch langfristig gesehen auch andere wissenschaftlich interessante Möglichkeiten neu ausweiten, z.B. ein Trendschub hin zum Ausbau der Forschung an modernen tierversuchsfreien Methoden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Wissenschaftler mit Methoden von vorgestern die Welt von morgen bewältigen wollen.“

Schließlich ist nicht ohne Grund seit 2002 - neben der Forschungsfreiheit - auch der Tierschutz im Grundgesetz verankert. Gemäß Tierschutzgesetz ist klar vorgegeben, dass Tierversuche nur durchgeführt werden dürfen ,wenn sie unerlässlich sind und zuvor eine fundierte Abwägung erfolgt ist, ob das den Tieren dabei zugefügte Leid - i.R. verbunden mit deren Tod - durch den zu erwartenden Erkenntnisgewinn auch wirklich gerechtfertigt werden kann.
Doch die Praxis zeigt leider, dass diese Abwägung nicht wirklich konsequent erfolgt. Sowenig wie allem Anschein nach die Kontrollfunktionen bei der Durchführung der Tierversuche greifen.

Lawo betont nochmals mit Nachdruck: “Wir müssen endlich wegkommen von der festgefahrenen Auffassung, dass wir im medizinischen Bereich nur über Tierversuche an verlässliche Ergebnisse und Neuerkenntnisse kommen“, und führt als Beispiel an: „Bei der Atomenergie hat es doch auch funktioniert. Die Forschungserfolge und der Ausbau erneuerbarer Energien wären in Deutschland nie so weit gekommen, wenn nicht auch der politische Wille in Form von langfristigen Förderprogrammen dahintergestanden hätte. Das muss doch auch im Bereich Tierversuche möglich sein!“.