Winterkälte - Lämmern droht der Tod durch Erfrieren

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05.01.15 - Trotz Winterzeit bekommen bereits jetzt viele Schafe ihre Jungen. Um den Tod der Lämmer zu vermeiden, sind besondere Fürsorge für die trächtigen Mutterschafe sowie geschützte Ablammplätze unerlässlich. Zu oft fehlen bei Wanderschäfern geeignete Schutzhütten und die frisch geborenen Lämmer erfrieren. Der Landestierschutzverband bittet die Bevölkerung und die zuständigen Behörden um erhöhte Aufmerksamkeit.

Schafe im Schnee

Wintereinbruch mit Schnee und Frost kommt schnell und manchmal unverhofft- so wie in den vergangenen zwei Wochen. Bei Temperaturen um die null Grad und weniger haben neugeborene Lämmer, die ohne Witterungsschutz zur Welt kommen, kaum eine Überlebenschance, wie ein trauriges Beispiel aus Schramberg gerade wieder unschön zeigte. Zwei Lämmer einer Wanderschafhaltung verendeten schon in der Nacht ihrer Geburt auf der schneebedeckten Weide. Gegen den Schäfer wurde Strafanzeige erstattet.

Um den steigenden Bedarf an Lammfleisch durchgehend beliefern zu können, lassen Schafhalter ihre Schafe  zeitlich so befruchten, dass diese auch im Winter Lämmer zur Welt bringen. Leider zeigt die Erfahrung vor allem bei der Wanderschafhaltung, dass Schäfer ihren hochträchtigen Mutterschafen anscheinend nicht immer ausreichenden Schutz zum Ablammen bieten und deshalb die frischgeborenen Jungtiere auf der Weide bei Frost oder Regen elend erfrieren.

Mit nicht ganz 216.000 Schafen - allein 70 % davon sind Mutterschafe - zählt Baden-Württemberg zu den 3 schafreichsten Bundesländern. Neben der stationären Hütehaltung ist dabei nach wie vor auch noch die klassische Wanderschafhaltung von Bedeutung. Gerade bei der Wanderschafhaltung ist im Winter oder bei nasskaltem Wetter ein Witterungsschutz unerlässlich. Die Kältetoleranz und allgemeine Belastungsgrenze hochträchtiger Schafe - und erst recht die der neugeborenen Lämmer - ist herabgesetzt. Schon in den letzten sechs bis acht Wochen der Tragezeit müssen hochträchtige Schafe schonend behandelt werden. Insbesondere ist auf eine ausreichende und ihrem Zustand angepasste Fütterung zu achten. Zudem dürfen die Tiere nicht z.B. durch zu lange Wegstrecken überfordert werden. Nur so wird vermieden, dass die Lämmer zu früh oder mit zu wenig Gewicht und damit zu lebensschwach auf die Welt kommen. Nicht nur die Kälte, auch ständiger Niederschlag und starker Wind können im Winter eine lebensbedrohliche Unterkühlung der neugeborenen Lämmer nach sich ziehen. Zum Ablammen ist deshalb ein trockener, gegen Regen, Schnee und Wind sowie Bodenkälte geschützter, mit Stroh eingestreuter Liegeplatz unerlässlich. Selbstverständlich muss bei Frost auch für ausreichend Trinkwasser gesorgt werden, das nicht eingefroren ist.

Der Landestierschutzverband lässt Beschwichtigungen von Seiten der Schafhalter, dass bis zu 30 % Lammverluste normal seien, nicht gelten. „Eine derart hohe Todesrate bei neugeborenen Lämmern ist alarmierend und nicht hinnehmbar. Mit gutem Willen und entsprechendem Einsatz lässt sich das oft fehlerhafte Verhalten der Tierhalter vermeiden. Das gehört zur grundlegenden Sachkunde, die das Tierschutzgesetz auch für die Halter so genannter Nutztiere zwingend verlangt, und zwar für jedes einzelne Tier“, betont Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes.

Er appelliert deshalb an die zuständigen Behörden, gerade jetzt die meist schon bekannten "schwarzen Schafe" bei den Schafhaltern engmaschig zu kontrollieren und rechtzeitig zu veranlassen, dass hochträchtige Tiere in Sicherheit gebracht werden. Gleichzeitig bittet er auch Mitbürger um erhöhte Aufmerksamkeit und darum, Auffälligkeiten oder offensichtlich schwache Tiere sofort zu melden. Adressaten für solche Meldungen sind die Veterinärämter (i. d. R. bei den Landratsämtern angesiedelt), die Tierschutzvereine bzw. Tierheime und ggf. auch die Polizeistationen.