Tierschutz statt Weihnachtszirkus!

17.12.2014 - Der Landestierschutzverband fordert schon seit Jahren endlich rigoros gegen die Tierquälerei in Zirkussen vorzugehen. Andere EU-Länder haben die Haltung von Wildtieren in Zirkusunternehmen längst untersagt. Jüngstes Beispiel: Die Niederlande.

Selbst jetzt zur Weihnachtszeit leiden zahllose Wildtiere unter den tierunwürdigen Bedingungen des Zirkuslebens. Statt im Winterquartier endlich zu pausieren, müssen sie im „Weihnachtszirkus“ für volle Kassen sorgen. In Baden-Württemberg meinen inzwischen zahlreiche Kommunen, sie müssten mithilfe von Weihnachtszirkusveranstaltungen Familien über die Feiertage bei der Beschäftigung ihrer Kinder unterstützen. Ob in Stuttgart, Karlsruhe, Ravensburg, Ulm, Lörrach, Heilbronn, Offenburg oder Crailsheim, überall gastiert ein Weihnachtszirkus - und mit ihm zahllose Tiere.

Vielen Zuschauern bleibt das Leid der Zirkustiere verborgen. Sie lassen sich von der glitzernden Scheinwelt der Manege einfangen und staunen beim Anblick von männchenmachenden Elefanten, applaudierenden Seelöwen oder dressierten Tigern. Aber auch Giraffen, Löwen, Affen, Zebras und sogar Riesenkängurus haben ihren Auftritt. Das Ambiente überdeckt, dass viele Dressurkunststücke absolut artwidrige Bewegungsabläufe sind, die den Tieren auf Dauer echte Qualen bereiten. Und nur wenige Zuschauer bedenken, dass bspw. Seelöwen ausgesprochen gute Schwimmer sind, die in freier Natur mehr als die Hälfte des Tages im Wasser verbringen und nur selten an Land gehen. Und gerade die Seelöwenshows werden immer beliebter und sind dieses Jahr fast überall zu finden.

Herbert Lawo, erster Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg e.V., fasst es zusammen: „Wildtiere können in einem fahrenden Zirkusunternehmen nicht tiergerecht gehalten werden. Wenn schon die Bedingungen der Zootierhaltung praktisch nicht tiergerecht sind, wie sollen dann erst die provisorischen Verhältnisse eines Zirkusbetriebs den vielfältigen Ansprüchen der diversen Tierarten genügen? Notorischer Platzmangel, kein oder zu wenig Auslauf, falsche klimatische Bedingungen, ständige Transporte von A nach B, Beschäftigungsmangel, fehlende Sozialkontakte sind nur einige Punkte, die eindeutig gegen das Mitführen von Wildtieren im Zirkus sprechen.“

Längst schon sind anerkannte Sachverständige, darunter Tierärzte und Ethologen, zu dem Fazit gekommen, dass eine artgerechte Haltung bestimmter Tierarten, wie beispielsweise Bären oder Affen im Zirkus nicht möglich ist, und fordern ein klares Haltungsverbot.
Andere EU-Staaten haben längst entsprechend gehandelt, darunter Belgien, Österreich und Finnland. Auch in Großbritannien dürfen Zirkusse ab 1. Dezember 2015 keine Wildtiere mehr mitführen. Ganz aktuell haben die Niederlande diese Woche ebenfalls entschieden, dass Zirkusse dort ab dem 15. September 2015 auf Wildtiere wie Tiger, Löwen und Elefanten verzichten müssen.

„Es wird höchste Zeit, dass auch in Deutschland endlich ein derart deutliches Zeichen für den Tierschutz gesetzt wird, der bei uns schließlich seit 2002 sogar grundgesetzlich verankert ist“, betont Lawo ausdrücklich und fügt hinzu: „Wildtiere im Zirkus sind ein Auslaufmodell und nicht mehr zeitgemäß. Tierschutz muss auch im Zirkus ankommen und konsequent umgesetzt werden.“