Weihnachtsmärkte: Romantisch für Menschen - für Tiere eine Tortur

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01.12.2014 - Weihnachtsmärkte sind für Tiere kein Spaß. Ob als Krippentiere, Reitponys oder unfreiwillige Begleiter: der Lärm, das Gedränge und die vielen fremden Gerüche bedeuten für Tiere Dauerstress. Der Landestierschutzverband bittet Hundehalter ihre Vierbeiner nicht auf den Weihnachtsmarkt mitzunehmen und fordert Kommunen auf, lebende Krippentiere oder Ponyreitbahnen nicht zuzulassen.

Alle Jahre wieder ziehen die Weihnachtsmärkte die Menschen in ihren Bann. Durch die engen Gassen zwischen den Ständen schieben sich zahllose Menschen. Mittendrin immer wieder der eine oder andere unglückliche Vierbeiner. Regelmäßig stolpert jemand über sie oder tritt ihnen versehentlich auf die Pfoten oder den Schwanz. Der Lärm, die Enge, die vielen fremden Menschen und Gerüche bedeuten für Hunde Dauerstress, ganz im Gegensatz zu ihren manchmal reichlich glühweinbeseelten Begleitern oder Mitbesuchern. Wirklich übel wird es, wenn der Hund im Gewühle den Anschluss an seinen Besitzer verliert und panisch suchend herumirrt.

Für Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes ist eines deshalb ganz klar: „Tiere haben auf dem Weihnachtsmarkt nichts verloren. Echte Tierfreunde lassen ihre Vierbeiner zu Hause wenn sie einen Weihnachtsmarktbesuch planen. Sie muten ihrem Hund diesen Stress nicht zu und genauso wenig lassen sie ihn bei Kälte stundenlang im abgestellten Auto warten.“
Ebenso kritisch sieht er gut gemeinte, aber falsche Fütterung, die gerade in Weihnachtsstimmung oft bedenkliche Ausmaße annimmt. „Auch wenn es schwer ist Hundeaugen zu widerstehen sollte man ihnen nicht nachgeben. Gewürzte Wurst- oder Bratenreste, Gebäck und andere Süßigkeiten bekommen dem tierischen Magen in der Regel nicht und führen schnell zu Übelkeit und Erbrechen.“ so der Tierkenner weiter.

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Ein besonderer Dorn im Auge sind dem Tierfreund „lebendige Krippen“. Leider sind noch immer auf einigen Weihnachtsmärkten im Land Krippendarstellungen mit echten Schafen, Eseln und sogar Rindern traditionelle Attraktionen, um damit vor allem Familien mit Kindern anzulocken. Nicht nur dass die Tiere dem Weihnachtsrummel um sie herum ständig ausgesetzt sind, sie in den kleinen Ställen oder oft zugigen und feuchtkalten Gattern unter notorischem Bewegungsmangel leiden und kaum Möglichkeiten haben, sich an ein ruhiges Plätzchen zurückzuziehen, sie werden meist auch noch von den Besuchern mit allem möglichen und unmöglichen gefüttert. So manch ein Krippentier hat dieses Spektakel nicht überlebt und ist aufgrund des völlig artwidrigen Futterangebots an einer Kolik elend verendet.

Aber auch Ponyreitbahnen finden sich auf Weihnachtsmärkten. Wie auf dem Jahrmarkt müssen völlig apathisch wirkende Ponys und Kleinpferde - z.T. aneinandergebunden - stundenlang stereotyp im Kreis herum laufen oder stehen kurz angebunden mitten im Trubel. Ständig neue Reiter, die ewig gleiche Bewegungsrichtung in zum Teil winzigen Arenen mit hartem Boden führen oft zu massiven Gesundheitsproblemen bei den Ponys. Freier Auslauf auf der Weide - Fehlanzeige. Der Stall ist der Transportwagen. Nicht zuletzt aus diesen Gründen lehnt der Landestierschutzverband solche „Ponykarussells“ als tierschutzwidrig ab.

Herbert Lawo appelliert deshalb eindringlich an alle Tierhalter, keinesfalls ihre Tiere für derartige Zurschaustellungen zur Verfügung zu stellen - nicht einmal für nur wenige Tage. Gleichzeitig fordert er auch Eltern dazu auf, ihren Kindern kein falsches Bild vom zeitgemäßen Umgang mit Tieren zu vermitteln und Ponykarussells bewusst zu boykottieren.

Ebenso sieht Lawo hier die zuständigen kommunalen Ordnungsbehörden in der Pflicht: sie sollten aus Tierschutzgründen „lebendigen Krippen“ und Ponyreitbahnen grundsätzlich eine Absage erteilen.