Martinsgans mal anders - Gänse als faszinierende und liebenswerte Lebewesen kennen lernen

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06.11.2014 - Statt mit Gänsebraten, meist aus grausamer Massentierhaltung, sollte der Tag des Gedenkens an den Heiligen Martin mit den lebenden Gänsen und ihren beeindruckend intelligenten Eigenschaften verbunden werden. Der Landestierschutzverband bittet die Verbraucher, wenn überhaupt, dann Fleisch nur aus artgerechter (Bio-)Tierhaltung zu kaufen. Weiter beklagen die Tierschützer irreführende Kennzeichnungen im Handel und fordern, diese wirksam zu verbieten.


Der St. Martinstag (11. Nov.) wird seit eh und je an Kindergärten, Vor- und Grundschulen groß gefeiert. „Neben dem Liedersingen und Laternenbasteln könnte dieses Datum auch genutzt werden, die Kinder mit den Gänsen als faszinierende und besonders liebenswerte Tierart vertraut zu machen“, schlägt der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes, Herbert Lawo, vor. „In der Martinslegende, treten die Gänse ja auch als ausgesprochen lebendige Geschöpfe auf und nicht als Braten“, so Lawo weiter und fügt hinzu: „Kinder für Tiere und deren Lebensweise zu sensibilisieren ist von großem pädagogischen Wert“.Gaense

Gänse sind hoch soziale, sehr kommunikative und wehrhafte Wasservögel. Durch ihr lautes Geschnatter haben sie nicht nur angeblich das Versteck des Heiligen Martin verraten, sondern schon früher als „lebende Alarmanlage“ so manchen in die Flucht geschlagen. Sie sind gesellig, besonders lernfähig und neugierig und schließen monogame, lebenslange Partnerschaften. Eine gänsegerechte Gruppenhaltung setzt Zugang zu einem Gewässer, in dem sie schwimmen und ihr Gefieder pflegen können, ausreichenden Auslauf auf einer Wiese und einen großen Stall mit Stroheinstreu voraus. Freilandhaltungen, insbesondere Bio-Freilandhaltungen, bieten solche Bedingungen.
Der Landestierschutzverband rät deshalb Kunden beim Kauf auf gesetzlich geschützte Kennzeichnungen wie „Auslaufhaltung“ „Bio-Gans“, oder „bäuerliche Freilandhaltung“ zu achten. Dagegen stammt das bei uns angebotene Gänsefleisch zum weitaus überwiegenden Anteil aus tierquälerischer Intensivmast - vor allem aus Polen und Ungarn. Tausende Tonnen davon werden jährlich im Namen des Heiligen Martin konsumiert.
Das Bratenfleisch wird unter so irreführenden Bezeichnungen wie „vom Bauernhof“, „Landkorngans“ oder „Hafermastgans“ angeboten. Speziell gezüchtete „Hybridmastgänse“, die durch Verabreichung von konzentriertem und nicht selten auch mit Medikamenten versetztem Mastfutter bereits binnen 8 bis 10 Wochen „Schlachtreife“ erreichen, vegetieren in riesigen Ställen, aneinandergedrängt, ohne Auslauf, ohne Einstreu vor sich hin. Künstliche Lichtquellen simulieren längere Tageszeiten, damit die Tiere noch mehr fressen. Viele leiden unter Knochenbrüchen, Gelenkentzündungen und Atemnot. Am Ende ihres Martyriums werden sie in engen Kisten abtransportiert und kopfüber in ein Narkosebad gehängt. Aber nicht alle Gänse sind richtig betäubt, bevor sie geschlachtet werden. Nur aufgrund dieser industriellen Massentierhaltung sind die Niedrig-Preise für Import-Gänse zu halten.
„Unser erklärtes Ziel ist, dass Gänse in Zukunft nur noch nach den Vorgaben der EU-Verordnung Ökologischer Landbau ((EG) Nr. 834/2007) als Mindeststandard gehalten werden dürfen. Außerdem fordern wir ein sofortiges Verbot der irreführenden Bezeichnungen und setzen uns für eine klare Kennzeichnungspflicht bei Fleisch ein, die - vergleichbar der Eierkennzeichnung - die Haltungsbedingungen der Tiere kenntlich macht“, so Lawo.
Strikt abzulehnen ist die Gänsestopfleber sowie das Gänsefleisch - als „Abfallprodukt“ - aus der Stopfleberproduktion. Die für dieses Fleisch vorgeschriebene Kennzeichnung „aus Fettleberproduktion“ ist oft so klein aufgedruckt, dass man sie übersieht. Das Stopfen von Gänsen ist eine der grausamsten Tierquälereien in der „Nutztierhaltung“ und in Deutschland ausdrücklich verboten. Nicht verboten ist allerdings der Verkauf von Produkten aus der in Frankreich oder Ungarn noch weit verbreiteten Stopfmast. Das Fleisch der Stopfgänse kann von der deutschen Lebensmittelindustrie zu Niedrigstpreisen importiert werden, da das eigentliche Geschäft mit den Fettlebern gemacht wird.