Kältefront - Lämmern droht der Tod durch Erfrieren

Gerade jetzt bekommen bereits viele Schafe ihre Jungen. Um den Tod der Lämmer zu vermeiden, sind besondere Fürsorge für die trächtigen Mutterschafe sowie geschützte Ablammplätze unerlässlich. Zu oft fehlen bei Wanderschäfern geeignete Schutzhütten und die frisch geborenen Lämmer erfrieren. Der Landestierschutzverband bittet um erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der zuständigen Behörden.

Die Meteorologen warnen vor einem sibirischen Kältetief mit Temperaturen bis minus 20 Grad. Bei solchen Temperaturen haben neugeborene Lämmer, die ohne Witterungsschutz zur Welt kommen, keine Überlebenschance.
Um den steigenden Bedarf an Lammfleisch durchgehend beliefern zu können, lassen Schafhalter ihre Schafe vermehrt in der Zeit befruchten, dass diese auch im Winter ihre Lämmer gebären. Die Vermarktung von Lammfleisch zu Ostern ist für sie ein bedeutender Umsatzfaktor, wobei der Druck durch sinkende Lammfleischpreise aufgrund der Konkurrenz aus Übersee ständig zunimmt. Leider führt dies dazu, dass einige der fast 3000 Schafhalter in Baden-Württemberg ihre Tiere überfordern, weil die Schäfer nicht in der Lage sind, den viel höheren logistischen und zeitlichen Aufwand, den das „Ablammen“ im Winter im Vergleich zu wärmeren Jahreszeiten erfordert, tatsächlich zu leisten.

Mit nicht ganz 250.000 Schafen - davon über 170.000 Mutterschafe - zählt Baden-Württemberg zu den 3 schafreichsten Bundesländern. Neben der stationären Hütehaltung ist dabei nach wie vor auch noch die klassische Wanderschafhaltung von Bedeutung.
Gerade bei der Wanderschafhaltung ist im Winter oder bei nasskaltem Wetter ein Witterungsschutz unerlässlich. Die Kältetoleranz und allgemeine Belastungsgrenze hochträchtiger Schafe - und erst recht die der neugeborenen Lämmer - ist herabgesetzt. Schon in den letzten sechs bis acht Wochen der Tragezeit müssen hochträchtige Schafe schonend behandelt werden. Insbesondere ist auf eine ausreichende und ihrem Zustand angepasste Fütterung zu achten. Zudem dürfen die Tiere nicht z.B. durch zu lange Wegstrecken überfordert werden. Nur so wird vermieden, dass die Lämmer zu früh oder zu leicht und damit zu lebensschwach auf die Welt kommen. Nicht nur die Kälte, auch ständiger Niederschlag und starker Wind können im Winter eine lebensbedrohliche Unterkühlung der neugeborenen Lämmer nach sich ziehen. Zum Ablammen ist deshalb ein trockener, gegen Regen, Schnee und Wind sowie Bodenkälte geschützter, mit Stroh eingestreuter Liegeplatz unerlässlich. Selbstverständlich muss bei Frost auch für ausreichend Trinkwasser gesorgt werden, das nicht eingefroren ist.

Der Landestierschutzverband lässt Beschwichtigungen von Seiten der Schafhalter, dass bis zu 30 % Lammverluste normal seien, nicht gelten. „Eine derart hohe Todesrate bei neugeborenen Lämmern ist alarmierend und in den meisten Fällen eindeutig auf fehlerhaftes Verhalten der Tierhalter zurückzuführen“, so Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes.
Er appelliert deshalb an die zuständigen Behörden gerade jetzt die meist schon bekannten "schwarze Schafe" bei den Schafhaltern engmaschig zu kontrollieren und rechtzeitig zu veranlassen, dass hochträchtige Tiere in Sicherheit gebracht werden. Gleichzeitig bittet er auch Mitbürger um erhöhte Aufmerksamkeit und darum Auffälligkeiten oder offensichtlich schwache Tiere sofort zu melden. Adressaten für solche Meldungen sind die Veterinärämter (i. d. R. bei den Landratsämtern angesiedelt), die Tierschutzvereine bzw. Tierheime und ggf. auch die Polizeistationen.