Welttierschutztag am 4. Oktober 2011

Der 4. Oktober steht seit 80 Jahren weltweit im Zeichen des Tierschutzes. Tierfreunde vieler Länder nutzen diesen Tag, um auf aktuelle Tierschutzprobleme aufmerksam zu machen und für einen besseren Umgang der Menschen mit den Tieren zu werben. Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg fordert anlässlich dieses Gedenktages die neue Landesregierung auf, ihre Wahlversprechen zügig umzusetzen. Sowohl die Stelle eines Landestierschutzbeauftragten als auch das Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände würden einen großen Schritt in Richtung "mehr Tierschutz" bedeuten.

Der 4. Oktober, der Tag des Heiligen Franziskus von Assisi, wird international von Tierschützern als "Welttierschutztag" für Informationsveranstaltungen genutzt. Franz von Assisi - Begründer des Ordens der Franziskaner und Schutzpatron der Tiere - sah das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen an. Er wurde zwei Jahre nach seinem Tode, am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. Vor 80 Jahren, anlässlich des Internationalen Tierschutzkongresses in Florenz, beschlossen die Teilnehmer den 4. Oktober offiziell zum Welttierschutztag zu benennen. Seitdem trägt er auch bei uns erheblich zur Verbreitung des Tierschutzgedankens bei.

Doch auch wenn Tierschutz in unserer Gesellschaft und inzwischen sowohl in der Landesverfassung als auch im Grundgesetz manifestiert ist, besteht nach wie vor Handlungsbedarf hinsichtlich der Umsetzung. Vor allem im Vollzug hapert es leider immer noch allzu oft. Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg, bekennt offen, dass er hier große Hoffnungen in die Wahlversprechen der neuen Landesregierung setzt. Laut Koalitionsvertrag will grün-rot in Baden-Württemberg - ähnlich Hessen - die Stelle eines Landestierschutzbeauftragten einrichten und auch das Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände auf den Weg bringen.

Lawo: "Beides zusammen würde den Tierschutz in Baden-Württemberg einen großen Schritt voran bringen. Leider ist es augenblicklich immer noch so, dass Tiere keinerlei Rechtsanspruch haben. Jeder Tierhalter kann seine Ansprüche und Interessen jederzeit gerichtlich einklagen aber niemand ist befugt im Fall von Tierquälerei das Recht der Tiere wahrzunehmen und deren Interessen notfalls auch vor Gericht zu vertreten. Deshalb fordern wir schon lange für anerkannte Tierschutzverbände das Verbandsklagerecht wie es im Naturschutz seit Jahren eingeführt ist."

Tierschutzrelevante Fragen und Anliegen kommen fast überall auf: Ob es um die Herstellung von Nahrungsmitteln geht, um Kosmetik oder Medizin, um Freizeit und Unterhaltung oder um gewerbliche Interessen - immer wieder sind Tiere direkt betroffen. Auf die Frage "Was bewegt Tierfreunde am meisten?", antwortet der Verbandsvorsitzende von über 100 Tierschutzvereinen im Land: "Es geht um den grundsätzlichen Stellenwert der Tiere in unserer Gesellschaft. Täglich erreichen uns landesweit Anfragen zu den unterschiedlichsten Themen und längst geht es nicht mehr nur um "Hund und Katz". Die Anrufer wollen Hilfe, interessieren sich für Artenschutzfragen, tiergerechte Haltungsbedingungen, wollen sich im Vorfeld informieren bevor sie sich ein Heimtier zulegen, möchten bewusst einkaufen und fragen nach tierschutzkonformen Produkten bzw. deren Bezugsquellen. Zudem werden Ist-Zustände immer öfter kritisch hinterfragt, ob es jetzt um Zootiere geht, Tierzucht und -vermarktung, Zirkustierhaltung, die herkömmliche Haltung so genannter "Nutz"tiere, Tiertransporte, Tierversuche, Heimtierhaltung und vieles mehr. Erfreulich ist vor allem, dass häufig auch die Frage kommt, was jeder selbst für mehr Tierschutz tun kann."

Eigentlich ist es ganz leicht - jeder kann dazu beitragen, dass die Welt für Tiere ein bisschen besser wird; beispielsweise indem man sein eigenes Konsumverhalten hinterfragt und hier und da etwas umstellt.
"Das Ei sollte aus der Freilandhaltung kommen, wenn überhaupt Fleisch gekauft wird, dann ausschließlich aus regionalen tiergerechten Haltungen - vegetarische Ernährung ist zudem mit die effektivste Umweltschonung überhaupt. Auch der Verzicht auf Kleidung aus Echtpelz oder mit Pelzbesatz ist aktiver Tierschutz, sich schon vor der Anschaffung von Heimtieren umfassend informieren, nicht erst danach, Katzen kastrieren lassen, den eigenen Garten naturnah gestalten, Zirkusse, die Wildtiere mitführen meiden, bei der Kosmetik ohne Tierversuche zugreifen …", zählt Herbert Lawo einige Möglichkeiten auf, wie jeder Mensch seinen eigenen Beitrag leisten kann. "Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen auch, sein Umfeld "anzustecken", indem er Freunde und Bekannte überzeugt. Wer mehr tun oder aktiv mitarbeiten will, kann sich zudem an den örtlichen Tierschutzverein wenden, dort gibt es jede Menge Informationen rund um den Tierschutz und ehrenamtliche Helfer werden immer gebraucht. Die Möglichkeiten, aktiv zu werden sind sehr vielfältig."

Immer mehr Tierschutzvereine kümmern sich inzwischen intensiv um die Jugendarbeit und verfügen über eigene Jugendgruppen, die sich regelmäßig treffen. Neue und engagierte Mitglieder sind überall herzlich willkommen. Der Landestierschutzverband unterstützt die Jugendarbeit seiner Mitgliedsvereine, indem er beispielsweise jedes Jahr ein dreitägiges Tierschutzjugendtreffen ausrichtet. Am diesjährigen Treffen am vergangenen Wochenende in Karlsruhe nahmen wieder ca. 70 Jugendliche und Betreuer teil.

Mehr Informationen und weitere hilfreiche Tipps rund zum Thema "mehr Tierschutz" erhalten Sie bei den örtlichen Tierschutzvereinen oder direkt über den Landestierschutzverband (www.landestierschutzverband-bw.de).

Karlsruhe, 04. Oktober 2011