Tipps für Pferdehalter

"Herbst"
Der Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V. hat für Pferdehalter einige nützliche Informationen zusammengestellt, die gerade im Spätjahr deutlich zur Gesundheit der Pferde beitragen können.

1. Wurmkur:
Wenn Pferde von Weidehaltung auf die winterliche Stallhaltung umgestellt werden, sollten sie entwurmt werden.

Von November bis Januar sollten Dassellarven = Magenbremsen (Gasterophilus) bekämpft werden. Das Pferd infiziert sich im Juni bis August auf der Weide über die Larven einer Fliege, die an den Haaren der Vorderbeine oder des Maules abgelegt werden.. Nach Wanderung der Larvenstadien durch Zunge, Zungengrund und Schlund gelangen die Larven in den Magen, wo sie sich festsetzen, weiterentwickeln und zu Verletzungen der Schleimhaut führen. Mit dem Kot gelangen sie nach ca. 10 Monaten ins Freie, vergraben sich im Boden, bilden eine Puppe, aus der nach 3-5 Wochen eine reife Dassellarve ausschlüpft.
Der Befall kann Verdauungsprobleme, Abmagerung oder Koliken zur Folge haben. Für die Entwurmung gegen Dassellarven sind einige spezielle Wurmmittel erhältlich, die nur im Winter angewendet werden sollen. Weitere Entwurmungen (im Frühjahr, Sommer) sollten mit anderen Präparaten erfolgen, um eine Resistenzbildung zu vermeiden.

Fast jedes Pferd beherbergt Palisadenwürmer (Strongyliden), Sie leben im Dickdarm bereich, saugen sich an der Schleimhaut fest und entziehen dem Wirt Blut. Die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden, bei feuchten Umweltbedingungen entwickeln sich innerhalb einer Woche ansteckungsfähige Larven. Sie werden vom Pferd beim Grasen aufgenommen und treten vom Dünndarm aus eine Wanderung durch die Organe und die Hauptschlagader an. Die Gefäßwände werden gesschädigt, es können Blutgerinnsel entstehen, die zu Wurmkrampfkoliken führen können. Nach bis zu 11 Monaten werden die Wurmlarven geschlechtsreif und Eier können im Kot festgestellt werden.

Der Befall mit Spulwürmern (Askariden) ist besonders für Fohlen und Jungpferde verhängnisvoll: Die Larven schmarotzen im Dünndarm, durchdringen die Darmwand und wandern mit dem Blutstrom über Leber und Herz zur Lunge. Sie werden ausgehustet und gelangen wieder in den Dünndarm, wo die Würmer heranwachsen. Die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden und sind außerordentlich widerstandsfähig. Auch Mutterstuten sollten entwurmt werden, um den Befall des Fohlens zu vermeiden.

Bei Fohlen finden sich häufig Zwergfadenwürmer (Strongyloiden), Die Larven bohren sich durch die haut des Fohlens und schädigen auf ihrer Wanderung durch den Körper die Lunge. Sie werden mit dem Kot ausgeschieden und vermehren sich sogar außerhalb des Pferdes in feuchter Einstreu.

Im Dickdarm des Pferdes können Pfriemenschwänze (Oxyuren) leben. Die weibliche Tiere legen um den After schnurförmige Eipakete ab, die mit dem bloßen Auge zu erkennen sind. Durch das Auswandern der Parasiten entsteht Juckreiz, der die Pferde zum scheuern der Schwanzrübe veranlasst. Die Eier fallen auf das Futter, werden gefressen, im Magen schlüpfen die Larven heraus, die im Dünndarm zum reifen Wurm heranwachsen. Auch die jugendlichen Stadien können Koliken auslösen.

Vorbeugung:

Pferdemist sollte möglichst oft aus den Ställen entfernt werden. Eine Desinfektion mit einem Dampfstrahler ist bei Verseuchung anzuraten. Austrieb auf die Weide erst wenn der Tau abgetrocknet ist, die Pferdeweide sollte nicht mit Pferdemist gedüngt werden, zu langes Gras mähen und als Heu verwenden. Die Pferdeweide möglichst nur im zweijährigen Turnus beweiden, Feuchte Stellen auf der Weide drainieren, Pferdeweide Parzellieren, wochenweise umtreiben, Kot aufsammeln. Eine Wurmkur 4-6 x jährlich durchführen.


2. Vergiftungen durch Pflanzen:

Der Bewuchs der Weide ist ganzjährig auf Giftpflanzen zu kontrollieren. Im Herbst sind die Herbstzeitlose, Eicheln und weitere Pflanzen von Bedeutung:
Die Herbstzeitlose (Colchinum autumnale), enthält den giftigen Wirkstoff Colchinin, dieser kann Koliken, Braunfärbung des Harns, und eine Atemlähmung auslösen.
Eicheln der Stieleiche (Quercus rubor) enthalten Gerbsäure, diese kann bei Aufnahme großer Mengen Darmreizungen oder eine Verstopfung auslösen.
Die Eibe (Taxus baccata) enthält Taxin, Ameisensäure und Blausäure. Aufnahme der Nadeln und Beeren können eine Lähmung der Herzmuskulatur, Koliken, Blasen- und Nierenentzündung und Atemlähmung auslösen. Die tödliche Dosis liegt bei 150g Nadeln.
Die Tollkirsche (Atropa belladonna) enthält Hyoscyamin und Atropin. Sie bewirkt nach Aufnahme Lähmungen, starkes Schwitzen, Aufregung, und Weitung der Pupillen.


3. Stallhaltung im Winter:
Bei einer reinen Stallhaltung im Winter ist besonders auf das Klima zu achten. Um Atemwegserkrankungen vorzubeugen sind die Luftfeuchte und der Anteil an Schadgasen niedrig zu halten. Als Anhaltspunkt dient diese Tabelle:

Stallklimatabelle:

Lufttemperatur Die Stalltemperatur soll der Außentemperatur auch im Winter gemäßigt folgen
Luftfeuchte 60-80%
Luftströmungsgeschw. im Tierbereich 0,1 m/s
Kohlendioxidgehalt der Luft als Schadgasindikator < 0,1 vol. %
Ammoniakgehalt der Luft < 10 ppm
Schwefelwasserstoff 0 ppm


Die Fensterfläche soll mindestens 1/20 der Stallfläche betragen. Sonne soll ungefiltert durch Glas in die Box strahlen können, dies natürlich nur bei ausreichendem Windschutz.
Die Umstellung von der Weide- zur Stallhaltung sollte langsam erfolgen, ebenso die Futterumstellung. Auch während der Wintermonate ist auf eine ausreichende Bewegung der Pferde zu achten. Ideal ist ein Paddock oder ein Sandplatz. Die Entscheidung, ob Pferde eingedeckt werden, ist an die Stalltemperatur und die Dichte des Winterfelles zu knüpfen. Generell ist der kühle, helle und geräumige Stall vorzuziehen.

 

Checkliste Tierschutz bei Pferden

 

Wo können Misstände vorliegen?
im Stall:
Stallbauweise

Klima

Lichtverhältnisse

Baumaterialien

Platzverhältnisse

Haltungsform
Anbindehaltung
Boxenhaltung
Gruppenauslaufhaltung
Weidehaltung

Einstreu

Fütterung

Tränkanlage

allg. Hygiene
beim Auslauf:

Weide

Aufenthaltsdauer
Bewuchs
Gruppenzusammenstellung
Umzäunung
Schatten
Futterplätze Tränke
Unterstand, natürlicher Witterungsschutz
Bodenverhältnisse

 

Was ist zu beachten?



Bei Einzelhaltung:
Kontakt zu Artgenossen

Gruppenhaltung im Stall/
auf der Weide:
Ausweichmöglichkeiten

DER PFLEGEZUSTAND:

Ernährungszustand
Fellpflege
Hufpflege
Fliegenschutz
Haarkleid den Witterungsverhältnissen angepasst?

Windsor

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Windsor stammt aus einem großen Reitverein mit Ständerhaltung und wurde dort mehr als 15 Jahre lang als Schulpferd eingesetzt. Er ist ca. 1975 geboren und konnte, nachdem er im Jahr 2000 ausgemustert worden war, vom Landestierschutzverband übernommen werden. Statt dem letzen Gang zum Pferdemetzger hat damit für ihn ein zweites Leben begonnen.
Windsor steht seitdem in einem Stall bei Schwäbisch Hall, hat eine große Box mit Paddock für sich und tagsüber ausreichend Auslauf mit anderen Pferden. Auch wenn er manchmal immer noch ziemlich stur sein kann, ist er inzwischen meist gutmütig und freundlich (was anfänglich nicht immer so war).

Im Sommer und Herbst 2003 hatte er schwer mit seiner chronischen Bronchitis zu kämpfen, ein "Andenken" an seine Zeit als Schulpferd. Da er auf schulmedizinische Behandlung nicht mehr ansprach, wurde er akupunktiert. Abgesehen von einem kleinen Rückfall im Sommer 2005 ist er seitdem wieder fit. Für sein Alter ist Windsor sehr rüstig und legt ab und zu auch gerne mal einen kleinen Spurt über die Koppel ein.

Nevada 2011

NevadaNevada2

Der 1995 geborene Quartermix Nevada wurde im Mai 2004 vom Landestierschutzverband übernommen, da seine Besitzerin ihn einschläfern lassen wollte, um ihm weiteres Leid zu ersparen.
Sie hatte ihn 1998 als Dreijährigen gekauft. Bis dahin war er ohne viel Bewegung, Licht und Spielgefährten aufgewachsen. Nachdem sie ihn übernommen hatte, bekam er eine schöne Paddockbox und Menschen, die sich liebevoll um ihn kümmerten. Alles schien perfekt.

Doch dann stürzte er schwer und zog sich eine Halswirbelverletzung zu. Nach diesem Unfall stolperte er beim Reiten oft und stürzte auch einige Male erneut. Die Besitzerin hielt es für zu riskant, andere auf Nevada reiten zu lassen, konnte sich das Pferd jedoch ohne Reitbeteiligung nicht leisten.

So gab sie ihn auf einen privaten Hof zu einer Bekannten, wo er es zunächst auch ganz gut hatte. Doch dann geriet diese Bekannte in finanzielle Schwierigkeiten und brachte Nevada weg. Dort kam er in eine Herde, die ihn so traktierte, dass er innerhalb von vier Wochen nur noch Haut und Knochen und von Bisswunden übersäht war. Er verstand die Welt nicht mehr und wurde völlig apathisch. Hätte er dort bleiben müssen, wäre er sicherlich jämmerlich zugrunde gegangen.

Eine unserer "Pflegemuttis" erfuhr von seinem Leid und konnte Nevadas Besitzerin davon überzeugen, dass er mit seinen 9 Jahren noch eine letzte Chance verdient hätte und es bei uns gut haben würde. Allerdings war sein Zustand inzwischen so bedenklich, dass er zuerst in einer Klinik versorgt werden musste.
Inzwischen geht es Nevada gut und er fühlt sich in seinem neuen Umfeld in der Nähe von Heidenheim sehr wohl. In die vorhandene Pferdegruppe hat er sich problemlos integriert.

Leila

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Leila - geboren 2000 - war stark unterernährt und litt als Folge davon an Rachitis als sie zum Landestierschutzverband kam. Sie war so geschwächt, dass sie ein 3/4 Jahr weder entwurmt noch geimpft werden durfte.

Außerdem diagnostizierte der Tierarzt bei ihr einen schweren Darmkatarrh und gab ihr - da aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes fast keine Medikamente verabreicht werden konnten - kaum eine Chance. Heute geht es Leila gut, auch wenn ihr Darm immer noch empfindlich ist. Inzwischen hat sie sich zu einer richtigen Ponydame entwickelt und ist in der Nähe von Heidenheim untergebracht. Ein ganz besonderes Kennzeichen ist die strahlend blaue Farbe ihres rechten Auges.

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